08.01.2006: Atypische Verlaufsformen von Bulimie erschweren Betroffenen und Ärzten oftmals das Erkennen der Erkrankung. Australische Forscher plädieren für mehr Bewusstsein für die zahlreichen Ausprägungen der Essstörung.
Das allgemeine Verständnis von
Bulimie greift in mancher Hinsicht zu kurz: Denn wie australische Forscher erneut festhalten, muss die
Essstörung nicht mit selbst eingeleitetem
Erbrechen einhergehen. Ebenso versuchen Betroffene, mittels
exzessiver Sportausübung oder
strikter Diät die für die
Krankheit typischen
Essattacken "auszugleichen", stellen die Wissenschafter von der James Cook University in Townsville klar.
Wenn nicht das willkürliche
Erbrechen oder der Missbrauch von
Abführmitteln als Ausgleichs-Handlungen fungieren, falle es
erkrankten Personen indes schwerer, ihre
Essstörung zu erkennen, so die Forscher im "International Journal of
Eating Disorders". Diesen Schluss ziehen Leitautor Jonathan Mond und Kollegen aus einer kleinen Studie mit 158 Frauen, die nach Ansicht der Experten
bulimieähnliche Essstörungen aufwiesen.
Krankheit bleibt oft unerkannt
Die Forscher legten den Teilnehmerinnen die Beschreibung einer Frau mit
Bulimie vor und stellten ihnen sodann die Frage, ob sie glaubten, ein vergleichbares Problem zu haben. Insgesamt meinten darauf 52 Prozent der Probandinnen, dies könne der Fall sein, während 48 Prozent die Frage verneinten. Dabei zeigte sich folgender Zusammenhang: Jene Frauen, die Erfahrungen mit absichtlichem Erbrechen hatten, erkannten mit knapp sechsmal so hoher Wahrscheinlichkeit eine
Essstörung an sich selbst wie jene, die sich nicht regelmäßig übergaben.
Als eine Ursache für diesen Umstand sieht Studienleiter Jonathan Mond die stark auf
Ess-Brech-Sucht und
Magersucht konzentrierte Darstellung von Essstörungen in den Medien. Zudem würden Verhaltensweisen wie übertriebenes Sporteln oder eine strenge Einschränkung der Kalorienaufnahme allgemein als akzeptabel oder gar wünschenswert wahrgenommen, so Mond. Es brauche ein größeres Bewusstsein über Formen der
Bulimie, die nicht durch
Erbrechen gekennzeichnet sind - und zwar sowohl medial, wie auch unter
Medizinern und anderem
Gesundheitspersonal, fordert der Wissenschafter.
Quelle :
www.novartis.at