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Alt 27.12.2006, 02:47
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Standard Familäre Faktoren

Von großer Bedeutung, ob Menschen Essstörungen bekommen oder nicht, ist die jeweilige psychische Entwicklung innerhalb der Herkunftsfamilie. Abgesehen von den Eßgewohnheiten einer Familie (z.B. häufige Diäten der Mutter) können auch andere Faktoren die Entstehung von Essstörungen begünstigen. Die betroffenen Familien wirken nach außen hin oft perfekt; Konflikte und Emotionen werden jedoch lediglich totgeschwiegen. Dieses zur Schau gestellte Zusammengehörigkeitsgefühl verhindert jede Art von gesunder Individualität: Kinder können sich innerhalb der Familie nicht entfalten und selbständig werden. Auf diesem Weg kann kein gesundes Selbstbewußtsein aufgebaut werden. Die Abgrenzung zur Familie gelingt meist nur schwer - hier haben viele Essstörungen ihren Anfang. Die Betroffenen lehnen sich damit gegen Erwartungen auf und versuchen, sich von den Eltern zu lösen. Gleichzeitig signalisieren sie jedoch das Bedürfnis, umsorgt zu werden. Das Ausdrücken eigener Bedürfnisse kann durch eine Essstörung geschehen - so gelingt im Konflikt zwischen Anpassung und Autonomie eine Abgrenzung, ohne die Regeln zu brechen oder die Erwartungen der Familie zu enttäuschen.

Säuglinge und Kleinkinder können ihre Bedürfnisse oft noch nicht eindeutig artikulieren. Eltern können manchmal schwer erkennen, was ihr Kind möchte und adäquat darauf reagieren. Manchmal hat es Hunger und bekommt nichts, dann ist es satt und zufrieden und muß trotzdem essen. Wird Nahrung als großer "Schnuller" ohne Rücksicht auf die tatsächlichen Gründe für das Unbehagen des Kindes oder als Belohnung für "braves" Verhalten verabreicht oder als Bestrafung für unerwünschtes und mißbilligtes Verhalten verweigert, wächst das Kind verwirrt heran und wirde unfähig, verschiedene Bedürfnisse voneinander zu unterscheiden. Es fühlt sich hilflos in der Steuerung seiner biologischen Triebe und emotionalen Impulse, sodaß hier die Grundsteine für eine Essstörung oder aber für ein gesundes Eßverhalten gelegt werden.

Magersüchtige Mädchen entwickeln z.B. ihre Essstörung häufig in der Pubertät als Abgrenzungskampf gegen ihre Eltern, und wollen unter keinen Umständen so werden wie die eigene Mutter. In erster Linie wird der eigene Körper abgelehnt. In der sogenannten "anorektischen" Familie gibt es in der Regel keine offenen Konflikte, die Probleme werden "unter den Teppich gekehrt". Nach außen herrscht harmonische Eintracht. Zwischen den Familienmitgliedern gibt es wenig Distanz und Eigenständigkeit. Das Magern betrachten die Mädchen und jungen Frauen als einzige Möglichkeit, wenigstens über den eigenen Körper Autonomie zu besitzen.
Esssüchtige Frauen mußten schon sehr früh Verantwortung übernehmen und eigenständig sein. Häufig wurde ihnen zu früh die Sorge um ihre jüngeren Geschwister übertragen. Obwohl bei den betroffenen Frauen eine große Bedürftigkeit besteht, endlich selbst einmal etwas zu bekommen, gelingt ihnen dies in der Regel nicht auf dem direkten Weg, sondern über den Umweg des "Gebens". Die bulimische Frau, die in der Regel, ähnlich der anorektischen Frau, eine sehr verwobene Mutter-Tochter-Beziehung hat, ist häufig sehr bemüht, nach außen alle an sie gestellten Anforderungen zu erfüllen. Sie kann als "Superfrau" gesehen werden, die eine brave Tochter für die Eltern ist, eine attraktive Frau für den Partner und leistungsorientiert für den Arbeitgeber ist. Mit großer Anstrengung versucht sie nach außen diesen unterschiedlichen Rollenanforderungen gerecht zu werden, und entstehende Konflikte werden mit dem Körper ausgetragen. Eß-Brech-Anfälle sind, wenn auch sprachlos, als Protest gegen die massiven, oft nicht zu vereinbarenden Anforderungen zu verstehen. Das Erbrechen erleben viele Frauen als symbolische Reinigung von Fremdansprüchen.

Häufig finden sich in der Biographie der Patientinnen Ereignisse, die auf mehr oder weniger schweren sexuellen Mißbrauch hinweisen, wobei die Täter meist aus dem Bekanntenkreis oder der Familie kommen. Kinder, die kein gesundes Selbstwertgefühl aufbauen konnten, versuchen um jeden Preis, die Erwartungen der Familie zu erfüllen und auf diesem Weg Anerkennung und Liebe zu bekommen. Sie wagen nicht, Grenzen zu ziehen und zu widersprechen und werden damit zu idealen Opfern.
Quelle: http://arbeitsblaetter.stangl-taller...Ursachen.shtml
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