Europas dicke Kinder sollen dünner werden
Immer mehr junge Menschen in Europa sind zu
dick, bei den Erwachsenen hat mehr als die Hälfte zu viel auf den
Rippen. Deutschland liegt dabei im Mittelfeld. Im Kampf gegen das
Fett hat sich die EU nun bis zum Jahr 2010 ein sportliches Ziel gesetzt.
Europas Bürger sollen
gesünder und vor allem
dünner werden. Bis 2010 sollen zehn Prozent der Menschen in der Europäischen Union eine halbe Stunde täglich Sport treiben. Jeder Fünfte soll täglich mehrere Male
Obst und
Gemüse essen. Auf diese Ziele haben sich mehr als 300
Gesundheitsexperten aus allen 27 EU-Staaten auf einer Konferenz im baden-württembergischen Badenweiler verständigt. Vor allem müsse auch die
Zunahme von
Übergewicht bei Kindern gestoppt werden.
Fast zwei Millionen dicke Kinder in Deutschland
„Prävention ist eine Investition in die Zukunft“, sagte Marion Caspers-Merk (SPD), Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. In Deutschland sind allein 1,9 Millionen Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 17 Jahren
übergewichtig. Das sind 15 Prozent dieser Altersgruppe. Bei den Erwachsenen wiegen 55 Prozent der Frauen und 65 Prozent der Männer zuviel. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich im Mittelfeld. In Norwegen sind die Menschen am
dünnsten. In Albanien sind
Übergewicht und
Fettleibigkeit am stärksten ausgeprägt.
„EU-weit nehmen
Krankheiten zu, die durch frühzeitige Prävention vermieden werden könnten“, sagte Caspers-Merk. Allein
Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachten in Deutschland jährlich Behandlungskosten in Höhe von 35 Milliarden Euro. Sechs Prozent der gesamten
Gesundheitsausgaben in Europa werden durch
Fettleibigkeit der Erwachsenen verursacht. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden bis zum Jahr 2020 etwa 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung und zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen in Europa unter
krankhaftem Übergewicht, sogenannter
Adipositas, leiden.
Übergewicht entsteht durch übermäßige
Nahrungsaufnahme in Verbindung mit
Bewegungsmangel. Kaum mehr als die Hälfte der drei- bis zehnjährigen Kinder treibt mindestens einmal in der Woche Sport. 45 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind körperlich überhaupt nicht aktiv. Die Menschen müssten daher motiviert werden, eine
gesunde Ernährung und mehr
Bewegung in ihrem Alltag zu integrieren, sagte Caspers-Merk.
Betriebe sollen Mitarbeiter fit machen
Gesundheitliche Prävention und
Ernährung sind Schwerpunkte der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Ein
gesundheitsförderlicher Lebensstil müsse vermehrt als gesellschaftlicher Wert verankert werden, forderte Gerd Müller (CSU), Staatssekretär im Bundesverbraucherministerium. Voraussetzung für einen gesunden Lebensstil sei das Wissen über eine
gesunde Ernährung. Da Lebensgewohnheiten meist schon in jungen Jahren geprägt werden, sollte die Prävention bereits möglichst frühzeitig in Familien, Kindertageseinrichtungen und Schulen einsetzen, wie es in der Badenweiler Erklärung hieß.
Gesundheitsaufklärung dürfe dabei nicht mit dem erhobenen Zeigefinder erfolgen, sondern müsse mit positiven Werten, Aussagen und Zielen verknüpft sein, hieß es weiter.
„Gesundheit kann ein entscheidender Wirtschaftsfaktor sein“, stellten die EU-Experten fest. Daher seien auch die Betriebe aufgerufen, sich für die
Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu engagieren. Die Unternehmen hätten davon einen unmittelbaren Nutzen. Die Mitarbeiter seien leistungsfähiger und seltener krank. Dienstleistungen, die der
Gesundheit dienen, würden zudem neue Märkte eröffnen, wie die
Wellness- und Fitnessbranche zeige.
Alle Zielgruppen passend ansprechen
Botschaften müssen verständlich sein und brauchen konkrete Handlungsempfehlung, damit sie zum Nachahmen anregen“, lautet das Fazit der EU-Experten. Ältere Menschen müssten dabei anders angesprochen werden als jüngere. Auch Unterschiede hinsichtlich Bildung, der sozialer und kultureller Herkunft seien zu berücksichtigen. So hat eine Studie des Berliner Robert-Koch-Instituts gezeigt, dass Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien besonders häufig von
Übergewicht betroffen sind. Auch Kinder aus Migrantenfamilien haben ein deutlich höheres Risiko, sich falsch zu
ernähren und damit Übergewicht zu entwickeln.
Der relativ einfache Rat der Deutschen Gesellschaft für
Ernährung: Möglichst wenig
Fett und viel
Obst und
Gemüse essen.
Quelle :
www.welt.de