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Alt 18.04.2007, 03:09
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Standard Fettleibigkeit kanadischer Kinder alarmiert Politiker

Fettleibigkeit kanadischer Kinder alarmiert Politiker
In Kanada wächst erstmals seit langem eine Generation heran, deren Lebenserwartung statistisch niedriger sein könnte als die ihrer Eltern: Übergewicht und Fettleibigkeit haben unter Kanadas Jugendlichen epidemische Ausmaße angenommen und gefährden ihre Gesundheit.
Ottawa - Der Gesundheitsausschuss des kanadischen Parlaments ruft zu aggressiven Maßnahmen auf, um den Trend zu stoppen und umzukehren. Geht es nach den Politikern, soll bis 2010, wenn in Vancouver die Olympischen Winterspiele stattfinden, der Zuwachs bei der Rate übergewichtiger und fettleibiger Kinder gestoppt und bis 2020 die Wende geschafft werden. Sie seien schockiert über die Übergewichtigkeit von Kindern, erklärten sie.

Erstmals seit Beginn der Erhebung entsprechender Daten "wird die heutige jüngere Generation ein kürzeres Leben haben als ihre Eltern - und dennoch erkennen Eltern das Problem nicht", klagte der Ausschussvorsitzende Rob Merrifield. Umfragen ergaben, dass nur neun Prozent der Eltern von Kindern unter 18 Jahren ihre Kinder als fettleibig oder übergewichtig bezeichneten. Die tatsächliche Quote ist 26 Prozent.

Die Fettleibigkeit unter Kindern sei in Kanada zur Epidemie geworden, heißt es im Bericht. Die Raten seien weltweit steigend, aber Kanada habe eine der höchsten Raten von Jugend-Fettleibigkeit und rangiere auf Platz fünf unter 34 Industriestaaten der OECD. 1978 waren zwölf Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen zwei und 17 Jahren übergewichtig und drei Prozent fettleibig (adipös). Im Jahr 2004 waren 18 Prozent übergewichtig und acht Prozent adipös. Besonders dramatisch ist die Lage der Ureinwohner: Etwa 55 Prozent der Indianerkinder in Reservationen und 41 Prozent der Ureinwohnerkinder außerhalb von Reservationen sind übergewichtig oder fettleibig.

Als Standard für das Messen von Übergewicht gilt der Körpermasse-Index (Gewicht geteilt durch das Quadrat der Körpergröße). Eine Person mit einem Körpermasse-Index (Body Mass Index, BMI) von 25 bis 30 kg/m2 gilt als übergewichtig, über 30 als fettleibig. Ein 100-Kilo-Mensch mit einer Körpergröße von 1,82 Meter hat einen Index von etwa 30. Die Folgen des Übergewichts sind chronische Krankheiten, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Anfälligkeit für Schlaganfälle, Gelenkerkrankungen und Diabetes - bis hin zum Tod.

Bewegungsmangel und falsche Ernährung sind vorrangige Ursachen für den Anstieg des Übergewichts. Vor einigen Jahrzehnten jagten und sammelten etwa die Indianer noch vorwiegend, und sie ernährten sich auf diese Weise gesund und ausgewogen. Jetzt nehmen jetzt mehr Zucker, Fett, verarbeitete Nahrung und Junkfood zu sich - etwa Hamburger oder Pommes frites. Besorgt ist der Ausschuss über Untersuchungen, die einen Zusammenhang zwischen der Lebensmittelwerbung und Fettleibigkeit erkennen lassen, vor allem bei Werbung für Produkte mit hohem Kalorien- und niedrigem Nährwert.

Als einen möglichen Schritt sieht der Ausschuss eine Einschränkung bei der Werbung für Lebensmittel mit hohen Fett-, Zucker- und Salzgehalt, die speziell auf Kinder abzielen. Die bisher auf der Basis von Freiwilligkeit geltenden Vorschriften für die Werbeindustrie sollen überprüft werden. Empfohlen werden weiter eine massive Aufklärungs- und Werbekampagne für gesunde Ernährung, verminderte Steuern und Zuschüsse für gesunde Nahrung.

Obst für die Einsiedler

Angeregt wird ferner, ein Bundesprogramm auszuweiten, das die Belieferung abseits gelegener Ureinwohnergemeinden mit frischen Lebensmitteln fördert. In diesen Gemeinden sind Obst, Gemüse und Milchprodukte wegen der Transportkosten extrem kostspielig. Doch teuer kommt es Kanada auch, wenn es jetzt nicht handelt: Die direkten Kosten für das Gesundheitswesen werden auf jährlich 1,6 Milliarden Dollar (eine Milliarde Euro) geschätzt, indirekte Kosten wie etwa Produktivitätsverlust oder Arbeitsunfähigkeit auf weitere 2,7 Milliarden Dollar (1,75 Milliarden Euro). Gerd Braune

Quelle : www.fr-online.de
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