Deutsche doch nicht dickste Europäer?
Vergangene Woche machte die Nachricht Schlagzeilen, die Bundesbürger seien die fettleibigsten Europäer. Nun kommen Zweifel an der Seriosität der Zahlen auf.
«Deutsche Männer sind Pfundskerle». «Deutsche immer
fetter». «Deutsche haben in der
Moppelliga den
Bauch vorn.» Eine Auswahl jüngster Überschriften, die allesamt ein Echo waren auf eine Exklusivmeldung der «Süddeutschen Zeitung». Das Blatt hatte eine Rangfolge der fettleibigsten Nationen Europas mit Deutschland auf Platz eins veröffentlicht.
Nicht vergleichbar
Alles Quatsch? Die in der SZ veröffentlichte Hitliste der
Fettleibigkeit stützt sich auf eine fragwürdige Datenbasis, meinen jedenfalls Fachleute. «Also ich war erstaunt», sagte Gisela Olias vom Deutschen Institut für
Ernährungsforschung (Potsdam) im Gespräch mit Netzeitung.de. «Meines Erachtens zeigt diese Datensammlung nur Trends auf, direkt vergleichbar sind die Daten aus den verschiedenen Ländern jedenfalls nicht.»
Es handelt sich um eine Auflistung von 25 Studien zum Thema
Fettleibigkeit aus EU-Ländern, die über einen Zeitraum von 14 Jahren erhoben worden sind. Mal hatten die Wissenschaftler die Probanden gewogen und gemessen, mal wurden sie telefonisch nach Größe und
Gewicht befragt. So stehen dänische Ergebnisse von 1992 neben französischen Ergebnissen von 2006.
Fettleibigkeit bleibt Thema
Die Zahlen kamen von der europäischen Sektion der International Association for the Study of Obesity (IASO), zu Deutsch etwa: «Vereinigung zur Erforschung der
Fettleibigkeit». Die Vereinigung finanziert sich unter anderem mit Sponsorengeldern aus der pharmazeutischen Industrie. Dass man aus ihrer Liste eine ernst zu nehmende Rangfolge herleiten könne, behauptet nicht einmal IASO-Pressesprecher Neville Rigby.
Die IASO hatte auch nie die Absicht, ein solches Ranking zu erstellen, sagte Rigby gegenüber Netzeitung.de, auch seien die Zahlen mit größter Vorsicht zu genießen. Aber die Medien bräuchten einen Aufhänger, um ein so wichtiges Thema wie
Fettleibigkeit anschaulich zu machen, so Rigby.
Ernährungswissenschaftler Gerd Mensing vom Robert Koch-Institut der Bundesregierung findet das Problem der deutschen
Fettleibigkeit in der Studie übertrieben dargestellt: «Wir sehen nach unseren jüngsten Zahlen, dass etwa 67 Prozent der Männer und 54 Prozent der Frauen
übergewichtig oder
adipös sind, das ist dann fast 10 Prozent geringer als nach Angaben der IASO», erklärte Mensing.
Quelle:
www.netzeitung.de