Schwerwiegende Erkenntnisse
Auch die Ungarn werden immer dicker: „In manchen Ländern entspricht der Anteil der Fettleibigen sogar fast der Hälfte der Gesamtbevölkerung.“ - Trend in Osteuropa: stark zunehmend...
Von einer
Volks- zur Völkerkrankheit – Fettleibigkeit breitet sich immer weiter aus. Einmal im Jahr treffen sich deshalb Fachleute aus aller Welt, um beim European Congress on Obesity (ECO) mit Kollegen ihre Kenntnisse zum Thema auszutauschen und Lösungen zur Vorbeugung und
Heilung zu finden. Dieses Jahr war es Budapest, das vom 22. bis zum 25. April über 2.500 Spezialisten vier Tage lang als Gastgeber im Kongresszentrum der Stadt empfing.
Dabei wurden in zahlreichen Vorträgen, auf Sitzungen und Symposien neue Forschungsergebnisse präsentiert und diskutiert. Schwerpunkte waren unter anderem die öffentliche Gesundheitspflege sowie die Behandlung und Prophylaxe der
Krankheit, von der immer mehr Menschen betroffen sind.
„Die Situation ist alarmierend“, sagte Vojtech Hainer, Vorsitzender der European Association for the Study of Obesity (IASO) bei der Eröffnungskonferenz. Immer mehr Menschen würden immer dicker; eine Tatsache, die besonders auch auf Osteuropa zuträfe, so Hainer. „In manchen Ländern entspricht der Anteil der
Fettleibigen sogar fast der Hälfte der Gesamtbevölkerung.“
Auch das Gastland Ungarn bekam verbal sein
Fett weg. László Halmy von der Hungarian Society for the Study of Obesity und Vorsitzender des diesjährigen ECO bezeichnete die Entwicklung in Ungarn als „dramatisch“. Während nach Angaben einer in den Jahren 1994 und 2000 durchgeführten nationalen Studie der Anteil der weiblichen Fettleibigen im Jahr 1994 noch bei 13,4 Prozent lag, waren es 2000 schon 18,4 Prozent, bei den männlichen nahm der Anteil von 13,2 auf 20,4 Prozent zu. Ein signifikanter, weiter anhaltender Negativtrend, dem auch finanziell Rechnung getragen werden muss. So stiegen die durch
Fettleibigkeit verursachten jährlichen Ausgaben in Ungarn von 11 Mrd. Forint 1998 auf das Drei- bis Vierfache im letzen Jahr – eine enormen Belastung für das
Gesundheitssystem und für die Wirtschaft.
Als Hauptgrund für die allgemeine
Gewichtszunahme sieht Halmy – neben genetischen und mentalen Ursachen – die soziale (oder besser unsoziale) Lebensweise vieler. Vor allem Kinder würden lieber stundenlang vorm Fernseher oder Computer verbringen, dabei zu viel und zu
fettes Essen konsumieren, statt sich draußen zu bewegen. Da sei Fettleibigkeit nur die logische Konsequenz.
Als Richtwert für
Fettleibigkeit gilt der so genannte
Body Mass Index (BMI), der sich aus dem
Körpergewicht im Verhältnis zur
Körpergröße im Quadrat berechnet. Ab einem
BMI von 25 gilt man als
übergewichtig (bei
Normalgewichtigen liegt er zwischen 18,5 und 24,9), bei einem
BMI größer als 30 wird von
Adipositas, also
Fettleibigkeit gesprochen, die meist weitere
Krankheiten zur Folge hat. So leiden viele
Fettleibige nicht nur häufig unter ihrem Aussehen, sondern haben auch vermehrt mit
gesundheitlichen Beschwerden wie
Bluthockdruck oder
Diabetes zu kämpfen und unterliegen einem höheren
Krebsrisiko. Um diesem Sachverhalt entgegenzuwirken, wurde vor 15 Jahren der Europäische
Fettleibigkeits-Kongress in Leben gerufen, um Fachkräften ein Forum zu bieten, ihre Forschungsfortschritte und innovative Strategien zur Vorsorge und Behandlung von
Fettleibigkeit vorzustellen, zu diskutieren und voranzutreiben.
Dass der 15. ECO dieses Jahr in Ungarn stattfand, ist nur ein erster Wachruf für die Öffentlichkeit; László Halmy hofft unter anderem durch weitere Aktionen, Programme und durch die Zulassung von
Adipositas-Zentren, dem ungarischen
Fett endgültig zu
Leibe rücken zu können.
Quelle :
www.pesterlloyd.net