Koalition billigt Programm gegen Fettleibigkeit
Koalition billigt Programm gegen Fettleibigkeit
Mit dem Fünf-Punkte-Plan "Fit statt fett" will die Regierung die Deutschen wieder dünner machen. Das Kabinett hat einen entsprechenden Aktionsplan gebilligt. "Rund 30 Prozent der Erwachsenen sind körperlich kaum aktiv", sagte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. "Auch Kinder bewegen sich heute viel weniger als früher." Verbraucherminister Horst Seehofer betonte, es gehe nicht um neue Vorschriften oder ein Verbot von Fett und Zucker, sondern um den vernünftigen Umgang mit Lebensmitteln.
15 Millionen Euro für Aktionen gegen Übergewicht
Das Gesundheitsministerium will für die kommenden drei Jahre 15 Millionen Euro für die Aktionen gegen Übergewicht zur Verfügung stellen. Kinder und Jugendliche sowie sozial benachteiligte Menschen sollen möglichst früh über gesündere Ernährung und Bewegung aufgeklärt werden. Damit sich die Bundesbürger mehr bewegen, sind Initiativen mit Ländern und Kommunen geplant. Das Essen in Schulen, Kantinen und Seniorenheimen soll ausgewogener und die Kennzeichnung von Lebensmitteln verständlicher werden.
Mit den Aktionen sollen auch die Folgekosten von Volkskrankheiten in Höhe von rund 70 Milliarden Euro im Jahr eingedämmt werden. Seehofer hält etwa die Zuckerkrankheit inzwischen für eine "Epidemie für Kinder und Jugendliche". Bis zu zwei Drittel der Männer und rund die Hälfte der Frauen in Deutschland gelten als zu dick.
Ernährung soll Thema in den Schulen werden
Das Thema Ernährung soll nach dem Willen der Gesundheitsministerin einen größeren Stellenwert in den Schulen bekommen. Es gehe aber nicht um neue Schulfächer. Schmidt warnte gleichzeitig aber auch vor Gefahren der Magersucht und einem "Nachrennen von falschen Schönheitsidealen". Rund 30 Prozent der unter 18-jährigen Mädchen hätten Essstörungen.
Grüne fordern härtere Gangart gegenüber der Industrie
Grünen und Verbraucherschützern geht der Aktionsplan der Regierung nicht weit genug. Die frühere Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) forderte ein Werbeverbot für Süßigkeiten im Fernsehen. Außerdem schlug sie eine Kennzeichnung von Lebensmitteln in Rot, Gelb und Grün je nach Fett-, Zucker- und Salzgehalt vor, wie in Großbritannien gehandhabt.
Auch die Verbraucherorganisation Food Watch forderte, die Regierung solle die Branche "an die Kandare nehmen". Verbraucherminister Horst Seehofer solle laut und deutlich sagen, was "an Werbung für Kindernahrung alles gelogen und falsch" sei, sagte Verbandschef Thilo Bode der "Frankfurter Rundschau".
Seehofer lehnt "Ampel-Prinzip" ab
Eine farbliche Markierung von Lebensmitteln lehnte Seehofer ab: "Wir wollen keine Olympiade der Verbote", sagte der CSU-Politiker. Auch die Ernährungsindustrie warnte vor einer gesetzlichen Regelung. Die Hersteller sollten stattdessen freiwillig auf allen Produkten deutlich sichtbar Angaben über Kalorien sowie über die Mengen an Fett, Kohlenhydraten und Eiweiß machen.
Quelle: tagesschau.de
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