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Alt 12.05.2007, 17:53
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Standard «Fit statt fett»: Aktionsplan gegen Übergewicht

«Fit statt fett»: Aktionsplan gegen Übergewicht
Berlin (dpa) Zu viel Fett, zu wenig Bewegung: Mit einem Fünf- Punkte-Aktionsplan will die Bundesregierung die fast 40 Millionen Übergewichtigen in Deutschland auf Trab bringen und zu gesünderem Essen bewegen. «Rund 30 Prozent der Erwachsenen sind körperlich kaum aktiv», sagte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD).

«Auch Kinder bewegen sich heute viel weniger als früher», sagte Schmidt. Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) betonte, es gehe nicht um neue Vorschriften oder ein Verbot von Fett und Zucker, sondern um den vernünftigen Umgang mit Lebensmitteln. Bis zu zwei Drittel der Männer und rund die Hälfte der Frauen gelten in Deutschland als zu dick. Die Pläne gehen Grünen und Verbraucherschützern nicht weit genug.
Das Kabinett gab grünes Licht für die Entwicklung des Aktionsplans gemeinsam mit den Ländern, der im Frühjahr 2008 vorliegen soll. Bis 2020 will die Regierung die Zunahme von Übergewicht bei Kindern stoppen. Kinder und Jugendliche sowie sozial benachteiligte Menschen sollen möglichst früh über gesündere Ernährung und Bewegung aufgeklärt werden. Damit sich die Bundesbürger mehr bewegen, sind Initiativen mit Ländern und Kommunen geplant. Das Essen in Schulen, Kantinen und Seniorenheimen soll ausgewogener und die Kennzeichnung von Lebensmitteln verständlicher werden. Es gehe nicht um Aktionismus, sondern um Eigenverantwortung und langfristige Ziele, sagte Seehofer.

Die Ernährung soll in den Schulen nach dem Willen von Ulla Schmidt einen größeren Stellenwert bekommen. Es gehe aber nicht um neue Schulfächer. Das Gesundheitsministerium plant, für die kommenden drei Jahre 15 Millionen Euro für die Aktionen gegen Übergewicht bereitzustellen. Schmidt warnte auch vor Gefahren der Magersucht und einem «Nachrennen von falschen Schönheitsidealen». Rund 30 Prozent der unter 18-jährigen Mädchen hätten Essstörungen. Bayerns Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) lehnte ein Schulfach Ernährung ab, weil dies schon in mehreren Fächern verankert sei. Die Koalitionsfraktionen prüfen, ob Schulessen günstiger werden kann, etwa durch einen Wegfall der Mehrwertsteuer.
Mit den Aktionen sollen auch die Folgekosten von Volkskrankheiten in Höhe von rund 70 Milliarden Euro im Jahr eingedämmt werden. Seehofer hält die Zuckerkrankheit inzwischen für eine «Epidemie für Kinder und Jugendliche». Dies hänge auch mit Ernährung zusammen. Es gehe aber nicht darum, zum Beispiel Fett zu verbieten, sondern um die «Vermeidung von Missbrauch» und ausgewogene Ernährung. Die Deutschen sind laut einer internationalen Studie wegen Bier, Fett und zu wenig Bewegung die dicksten Bürger in der EU.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast forderte ein Werbeverbot für Süßigkeiten im Fernsehen und die Kennzeichnung von Lebensmitteln in Rot, Gelb und Grün je nach Fett-, Zucker- und Salzgehalt. Dies lehnte Seehofer ab. «Seehofer kuscht vor der Lebensmittelindustrie», sagte sie dem Online-Dienst «stern.de». Auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen hält das Aktionsprogramm nicht für ausreichend. «Es fehlen alle konkreten Aussagen», sagte Verbandschefin Edda Müller der dpa. Eine Ausnahme sei das Vorhaben, sich auf EU-Ebene für eine verständliche Nährwertkennzeichnung einzusetzen. Die Köchin Sarah Wiener forderte im Deutschlandradio Kultur Kinderkochkurse und strengere Regeln für die Lebensmittelkennzeichnung.

Quelle : www.szon.de
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