Dicksein beginnt im Kopf
Reagieren Nervenzellen nicht auf das körpereigene Hormon Leptin, läuft die Regulierung von Appetit schief.
"Bei 95 Prozent der
übergewichtigen Menschen bekommt das
Gehirn nicht das Signal, dass genug
Energie vorhanden ist und keine weitere
Nahrungsaufnahme nötig ist." Starkes
Übergewicht und
Fettleibigkeit beginnen nach Einschätzung des Kölner Forschers Jens Claus Brüning demnach im
Kopf.
Brüning erhielt dieses Jahr den Leibniz-Preis, die mit 2,5 Millionen Euro höchstdotierte deutsche Forscherauszeichnung, für seine Erkenntnisse über die Rolle von
Nervenzellen im
Gehirn, die für die Regulation von
Appetit - und damit das
Körpergewicht - zuständig sind. Dazu der Internist: "
Fettzellen setzen das
Hormon Leptin frei, das über den
Blutkreislauf ins
Gehirn gelangt und dort die
biologische Frage auslöst: "
Nahrungsaufnahme ja oder nein?"."
Nun sei mit Versuchen an genetisch manipulierten Mäusen ein wichtiger Nachweis gelungen: "Wir haben gezeigt, dass unter vielen Milliarden von
Zellen im
Hypothalamus - einer Region am Boden des
Gehirns - nur wenige einen
Leptin-Rezeptor tragen. Nur diese
Zellen mit
Rezeptor können aber auf die Signale vom
Gehirn ansprechen, dass eben keine
Nahrungsaufnahme mehr nötig ist."
Resistenz
"Wir müssen nun herausfinden, was in den
Nervenzellen schief läuft, dass sie nicht auf das
Leptin-Hormon ansprechen", sagt der Forscher. Möglicherweise liege bei
übergewichtigen Menschen eine Resistenz gegen Leptin vor - das Wort ist vom griechischen "leptos" (schlank) abgeleitet.
Weltweit sind eine Milliarde Menschen
übergewichtig, 300 Millionen leiden an
krankhafter Fettleibigkeit, Tendenz steigend - auch in Österreich.
Quelle:
www.kurier.at