Gerade in den letzten Jahren ist Übergewicht zu einem Volksleiden der Industrienationen geworden. Tendenz stark steigend. Fettleibigkeit erhöht das Risiko für Diabetes, Bluthochdruck etc. Diäten, Medikamente und Krankenhausaufenthalte mindern die Lebensqualität und kosten viel Geld. Neue, wirksamere Ansätze zur Vorbeugung und Therapie sind gefragt. Zwei aktuelle Entdeckungen könnten dafür wegweisend sein: Ein Gen, das das Körperfett kontrolliert und ein Protein im Blut, das über die Menge an viszeralem Fett Auskunft gibt.
Ein einzelnes Gen kontrolliert Fettansammlungen im Körper, wird es manipuliert, lässt sich die Menge an Fettgewebe regulieren. Damit experimentieren Wissenschaftler der Universität von Texas an Fruchtfliegen, Würmern und Mäusen.
Schon vor mehr als 50 Jahren wurde das Gen Adipose (Adp) bei fetten Fruchtfliegen entdeckt, seine genaue Funktion aber bisher nicht erforscht. Mit mehreren Verfahren aktivierten und deaktivierten die Forscher das Gen in verschiedenen Lebensstadien und Bereichen des Körpers. Ergebnis: Anscheinend teilt das Gen dem Körper mit, ob er Fett ansammeln oder verbrennen soll. Die exakten Mechanismen, wie das Gen seine Kontrollfunktion ausübt, sind derzeit nicht bekannt, sie werden noch erforscht. Das Gen kann nicht nur aktiviert und deaktiviert werden, seine Funktion kann auch verstärkt oder verringert werden.
Mäuse mit erhöhter Aktivität dieses Gens fraßen viel mehr als normale Tiere, blieben aber schlanker und konnten die Insulin- und Blutzuckerwerte besser kontrollieren. Eine Verringerung der Gen-Aktivität zog eine Fettleibigkeit der Tiere nach sich, sie waren weniger aktiv und entwickelten einen Diabetes.
Der Mensch verfügt über das gleiche Gen. Gelingt es irgendwann in Zukunft, dieses ebenso wie bei den Tieren zu manipulieren, könnte das ein neuer Therapieansatz gegen Fettleibigkeit und Diabetes sein.
Protein RBP4 – ein Maß für viszerales Fett
Innere Organe umgebendes, sogenanntes viszerales Fett wird mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen und Typ-2-Diabetes in Zusammenhang gebracht. Forscher der Universitäten von Harvard und Leipzig haben nun herausgefunden, dass viszerales Fett ein bestimmtes Eiweiß, das RBP4, in viel höherem Ausmaß erzeugt als Unterhautfettgewebe. Dieses Protein war bisher nur als Transportmittel für Vitamin A bekannt.
196 Personen wurden untersucht. Fettleibige mit hohem Anteil an viszeralem Fett zeigten dabei eine 60 Mal höhere Aktivität der Gene, die die Produktion von RBP4 steuern als Schlanke. Dicke mit großen Fettablagerungen unter der Haut wiesen hingegen eine nur zwölf Mal erhöhte Aktivität dieser Gene auf. Somit wäre die Messung von RBP4 eine gute Möglichkeit, die Fettmenge im Körper festzustellen. Eine Verringerung der Proteinmenge könnte gesundheitsfördernd sein, denn die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass geringere RBP4-Werte bei dicken Mäusen die Insulinverwertung verbessert und damit das Diabetes-Risiko senkt. Umgekehrt führten bei Testpersonen Maßnahmen zur Verbesserung der Insulinempfindlichkeit zu einer Senkung der RBP4-Werte. Die Forscher bleiben dran.
Die Zukunft der Bekämpfung von Übergewicht und seinen Folgen könnte in der Gentechnik liegen.
Quelle:
www.meduniqa.at