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Alt 02.02.2007, 06:13   #1 (Permalink)
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Standard Wie Magersüchtige ein Gefühl für ihren Körper bekommen

Wie Magersüchtige ein Gefühl für ihren Körper bekommen
Köln (smu). Magersüchtige empfinden Bewegungstherapie als wohltuend. Die Patientinnen bevorzugen die Körpertherapie einem Gruppengespräch oder einer Musiktherapie. Das ist das Ergebnis einer allerdings nicht sehr repräsentativen Untersuchung, die Dr. Ralf Müller an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Köln erstellt hat.

Müller hat eine Gruppe von zehn stationär behandelten Patientinnen im Alter von 14 bis 17 Jahren befragt. Er hat ihnen Fragen zu Eßgewohnheiten, der seelischen Verfassung, körperlichen Beschwerden und dem Umgang mit dem eigenen Körper gestellt. "Das zentrale Problem für die jungen Frauen ist die Wahrnehmungsstörung des Körpers", sagte Müller. Sie fühlen sich ständig aufgedunsen, ihnen fehlt ein ausgeprägtes Wärme- und Kälteempfinden. Andere Signale des Körpers wie Hungergefühle nehmen sie nicht mehr richtig wahr, oder sie ignorieren sie. Die Gedanken der Patienten kreisten ständig um Essen, Diäten und Abführmitteln, berichtete er.

Durch ihr negatives Körpergefühl seien magersüchtige Frauen häufig nicht selbstbewußt, überangepaßt und unsicher im sozialen Umgang. Die Patientinnen empfänden sich stets als zu dick, gleichgültig, auf welches Gewicht sie sich schon heruntergehungert haben, so Müller.

"Die Bewegungstherapie gibt den Magersüchtigen wieder ein Gefühl für den eigenen Körper", sagte der Psychiater. Körperliche, psychische und soziale Kompetenzen sollen so gefördert werden. Vorwiegend geht es um die Stärkung des Selbstvertrauens, der Autonomie und der allgemeinen Leistungsfähigkeit. In Einzelübungen und in der Gruppe erproben die Patientinnen schrittweise die Möglichkeiten ihres Körpers. Mit den Übungen sollen die Frauen den eigenen Körper spüren, sich bewußt im Raum alleine bewegen und ihre Fitneß steigern. "Entspannungstechniken spielen bei der Bewegungstherapie eine große Rolle."

Im Laufe der Therapie reduzieren sich die körperlichen Beschwerden der Patientinnen zunehmend. Sie beschäftigten sich gedanklich weniger mit Essen. Mit zunehmenden Gewicht schwinden auch die Depressionen. "Obwohl während der Therapie eine größere Vertrautheit mit dem eigenen Körper aufgebaut wird, bleibt die Unzufriedenheit mit den eigenen Körperdimensionen bei nahezu allen Betroffenen bestehen", schränkte Müller allerdings ein. Die Körperschemastörung als Krankheitsfaktor, das Gefühl zu dick zu sein, bleibe konstant.

Quelle : www.aerztezeitung.de
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