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Die Politik entdeckt Bulimie und Magersucht. Mit „Wenn die Seele hungert“ startet nun die erste bundesweite Kampagne.
Wien (red.). 60 Prozent der Österreicherinnen sind mit ihrem Körper wegen medialer Vorbilder unzufrieden. 70 Prozent aller 17-Jährigen sind derzeit auf Diät. Insgesamt leiden geschätzte 200.000 Österreicher an einer Essstörungen. Die Zahlen zeigen nachdrücklich, dass Magersucht, Bulimie (siehe Kasten) kein exklusives Problem abgemagerter Models darstellen, sondern längst im Alltag angekommen sind. Das merkt nun auch die Politik. Nachdem im Februar die Stadt Wien die Initiative „S-O-Ess“ ins Leben gerufen hat, zieht nun auch der Bund nach und startet eine nationale Kampagne gegen Essstörungen. Es ist die erste dieser Art. Im Radio, im TV, mit Promis Unter dem Motto „Wenn die Seele hungert“ will man aufklären, beraten und sensibilisieren. Entsprechende Plakate und TV- und Radio-Spots sollen demnächst das Thema zum Thema machen. Unter anderem mit Unterstützung bekannter Gesichter wie Designer Thang de Hoo oder „Dancing Star“-Moderatorin Mirjam Weichselbraun. Denn mehr Aufmerksamkeit sei auch dringend nötig, meint Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (ÖVP): „Das Thema wird nach wie vor tabuisiert und aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt“. Und: „Wir dürfen junge Menschen nicht sehend ins Unglück laufen lassen“. Ihr Ressort unterstützt das Projekt mit zirka 40.000 Euro, initiiert wurde die Kampagne allerdings von „sowhat“, einem Institut für Menschen mit Essstörungen, das in Wien und Niederösterreich etwa 800 Menschen betreut. Pro Jahr 600 Magersüchtige mehr Leiter Bernhard Wappis war selbst zehn Jahre magersüchtig. Essstörungen, sagt er, seien „längst eine Volkskrankheit einer ganzen Generation, die unbedingt professionell behandelt werden muss“. Die Erkrankung zieht sich durch alle Altersgruppen und soziale Schichten. Experten vermuten auch, dass die Männer künftig „aufholen“ werden, bis dato sind sie, wenn dann vor allem nur von so genannten „Essanfällen“ betroffen. Mit 95 Prozent stellen Frauen klar den Großteil der Erkrankten. Immerhin haben die meisten von ihnen (siehe oben) auch Diäten hinter sich – und Diäten bezeichnet Wappis als „Einstiegsdroge“ Nummer eins. Denn, was harmlos beginnt, kann im – gar nicht so seltenen – Extremfall tödlich enden. Magersucht etwa führt im Langzeitverlauf in 15 bis 20 Prozent der Fälle zum Tod. Derzeit gibt es in Österreich 2500 Mädchen im Alter zwischen 15 und 20 Jahren mit ausgeprägter Magersucht, jedes Jahr kommen 600 neue dazu. Service: Hotline für Essstörungen: 0800/20 11 20 Linkempfehlung: Bin ich magersüchtig?
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