Liebe hat den Teufel Bulimie verjagt
Fast 25 Jahre lang litt Moderatorin (»Bitte Lächeln«) und Schauspielerin (»Der Alte«) Gundis Zámbó unter der teuflischen Krankheit Bulimie. Jetzt hat sie ihre Erlebnisse und Erfahrungen rund um die Krankheit in ihrem Buch »Mein heimlicher Hunger« aufgearbeitet. SUPERillu-Redakteurin Susi Groth hat mit ihr darüber gesprochen.
In Ihrem Buch »
Mein heimlicher Hunger« arbeiten sie offen und schonungslos ihre
Krankheit Bulimie auf, mit der Sie fast 25 Jahre leben mussten. War es Ihnen gar nicht peinlich, so drastisch darüber zu schreiben?
Nein. Ich habe bewusst so krass und schonungslos geschrieben. Eben weil diese
Krankheit genau so ist.
Bulimie ist so subtil und schwer zu begreifen, deshalb brauchte es ganz klare Worte. Bei der Lektüre, die ich bisher zu diesem Thema gelesen hatte, habe ich mich nie genug verstanden gefühlt.
Mit meinem Buch möchte ich auch die Mauer des Schweigens, die
Betroffene um sich aufbauen, einstürzen. Und ich will, dass
Betroffene wissen, sie sind nicht allein in ihrer Einsamkeit. Denn diese
Krankheit und das damit in Zusammenhang stehende Lügen- und Ausredengerüst macht einen sehr einsam. Man schämt sich, hat Angst und flüchtet in die Isolation.
eitgleich zur Erscheinung Ihres Buchs startete die Poster-Kampagne gegen
Anorexie, die ein völlig
abgemagertes Mädchen zeigt. Finden Sie diese drastische Art gegen diese
Krankheit vorzugehen gut?
Ja. Ich finde das super. Man muss bei diesem Thema einfach provokant vorgehen. Sonst erreicht man die große Aufmerksamkeit nicht und bleibt ungehört.
Sie beschreiben sich als sehr starke Person. Aber sind es nicht eher die Schwachen und labilen Menschen, die sich von dieser
Krankheit überwältigen lassen?
Nein. Das ist ein Irrtum. Gerade die Starken sind es doch, die diese
Krankheit haben. Denn genau mit dieser Stärke und Willenskraft nimmt man Besitz vom
Körper und benutzt ihn nur noch als Werkzeug. Dabei verdrängt man die schwache Seite in sich. Und es dauert lange, sich genau das einzugestehen und zu erkennen: „Ich habe ein Problem.“ Man baut ein irreales Bild von sich auf.
Seit 2003 sind Sie geheilt. Leiden Sie trotzdem heute noch unter den Spätfolgen Ihrer
Krankheit?
Ich habe immer noch sehr brüchige und dünne
Fingernägel. Und meine
Zähne haben sehr darunter gelitten. Aber ansonsten geht’s mir gut –
körperlich, wie seelisch.
War Ihr Partner Christof wichtig, um von der
Krankheit los zu kommen?
Ja. Sehr wichtig. Weil ich Ihn sehr sehr liebe. Aus Angst ihn zu verlieren, musste ich mich der
Krankheit stellen. Er hat mir gedroht: „ Entweder die
Bulimie oder ich. Ich liebe dich zu sehr, als mit anzusehen, wie du dich kaputt machst.“ Das hat
gesessen. Für jemand anderen konnte ich den mehrjährigen Kampf angehen. Für mich selbst hätte ich es wohl nicht geschafft.
Bulimie oder
Anorexie trifft häufig Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen. Geht es nur darum in Kleidergröße 0 zu passen?
überhaupt nicht. Der Ursprung des Übels liegt in der fehlenden Selbst-Liebe und den verlorenen inneren Werten. Wir funktionieren nur noch nach dem herrschenden Schönheits- und Leistungsprinzip und sind so, wie die Umwelt es von uns verlangt. Der äußere Schein wird immer mehr zum Maß aller Dinge. Wir orientieren uns immer mehr daran, statt in uns hinein zu horchen und zu schauen, wie glücklich wir mit unserer Authentizität sind.
Blicken Sie mit Reue und Bedauern auf diese 25 Jahre zurück?
Nein. Ich bin dankbar für diese Zeit. Auch wenn es lang und hart war. Ich habe dadurch so viele Erkenntnisse gewonnen, die mich heute zu einem ganzheitlichen Menschen machen. Vielleicht schätze ich dadurch bestimmte Dinge auch mehr. Ich genieße
Essen, Kommunikation, den Moment – das Leben an sich.
Sie sind nach wie vor schlank. Achten Sie heute trotzdem noch auf Ihre
Ernährung?
Ich
esse heute, wonach mir der Sinn steht. Ich zähle die
Kalorien nicht. Aber ich achte darauf, dass ich mich nicht überfresse. Ich fühle mich heute weder
dick, noch
dünn – ich bin ganz normal.
Haben Sie Angst irgendwann wieder rückfällig zu werden?
Nein. Dafür habe ich schon zu lange erfahren wie es ist,
gesund zu leben. Und das will ich nicht mehr aufgeben. Und sollte ich mal wieder in eine Krisensituation kommen, habe ich heute andere Mittel, dagegen vorzugehen, als mir den
Bauch voll zu schlagen.
Quelle:
www.super-illu.de