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Alt 15.11.2008, 03:27
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Registriert seit: 15.11.2008
Ort: Heilbronn
Beiträge: 1
Standard Meine Geschichte

Hallo,

bin neu hier und habe mich entschlossen über meine Geschichte zu berichten in der Hoffnung Feedback von Betroffenen bekommen.

Ich bin 33 Jahre alt und habe ein Problem mit dem Essen ungefähr seitdem ich 19 bin. Ich habe noch nie eine Therapie, Selbsthilfegruppe oder ähnliches aufgesucht, wobei ich mir meins Problems durchaus, spätestens seit ich 20/21 Jahre alt war wirklich bewusst bin. Aus Scham habe ich aber nie darüber geredet.

Anfänglich gingen meine Probleme wohl eher in den Bereich Magersucht. Ich hab massiv abgenommen, extrem wenig gegessen. Und wenn, hatte ich ein wahnsinnig schlechtes Gewissen. In der Öffentlichkeit habe ich immer nur sehr beherrscht gegessen (ist heute noch immer so) und meistens heimlich. Essen hat für mich wohl irgendetwas mit Schwäche zu tun. Ich bin ein sehr ehrgeiziger, beherrschter und zielstrebiger Mensch und diese Eigenschaften treffen wohl auf viele Menschen zu, die ein Problem mit Magersucht haben.
Ich hatte Phasen da habe ich noch nicht mal Milch im Kaffee getrunken, wegen der Kalorien…

Im Laufe der Jahre hat sich meine Essstörung gewandelt. Ich bin heute definitiv nicht mehr magersüchtig, ich würde es einfach als essgestört bezeichnen. Ich bin nicht dazu fähig normal zu essen. Das heiß ich kann nicht das essen worauf ich wirklich Lust habe, mein Essverhalten unterliegt ganz strengen selbst auferlegten Richtlinien.
Ich fühle mich grundsätzlich zu dick und versuche immer möglichst wenig zu essen, was mir aber nur phasenweise gelingt. Immer wieder bekomme ich richtige Fressattacken, die ich nicht kontrollieren kann. Ich fresse dann richtiggehend alles in mich hinein, solange bis mir schlecht geht. Dann geht es mir meist nicht nur körperlich schlecht, sondern vor allem auch psychisch. Und obwohl mich den Kreislauf ganz genau kenne, kann ich ihn nicht durchbrechen.

Einer Gewichtszunahme versuche ich dadurch entgegenzutreten, dass ich extrem Sport mache. Nur so kann ich ein einigermaßen vernünftiges Gewicht halten. Wobei ich dieses nicht einmal genau kenne. Ich habe mich bestimmt seit 13Jahren nicht mehr gewogen, wenn der Arzt mich wiegt mache ich die Augen zu. Ich habe richtige Panik mein Gewicht zu erfahren…

Ich lebe in einer ständigen Angst dick zu sein, kann mich auch nicht immer Spiegel anschauen, nur an Tagen an denen es mir gut. Meine Wahrnehmung gegenüber meinem Spiegelbild ist völlig gestört. Ich nehme mich völlig unterschiedlich wahr und kann letztendlich aber nicht wirklich sagen, ob ich dick bin oder nicht. In der Regel nehme ich mich als zu dick wahr.

Im Laufe der Jahre hat sich für mich ein enormer Leidensdruck aufgebaut. Letztendlich ist das Essen eines der Hauptthemen in meinem Leben, mit dem ich mich ständig beschäftige. Ich verfalle immer wieder in „negative Phasen“ in denen ich viel zu viel esse und es mir unwahrscheinlich schlecht geht. Es kostet mich einen unglaublichen Kraftaufwand das ganze durch Sport wieder wett zu machen, wobei es mich dann auch wiederum frustriert, nicht so schlank zu sein, wie ich es bei meinem Sportpensum eigentlich sein müsste.
Ich würde einfach gerne ein normales Leben führen, ohne diesen permanenten Leidensdruck. Gleichzeitig schäme ich mich aber unglaublich für das was ich tue, so dass ich mich nicht überwinden kann mir in irgendeiner Form therapeutische Hilfe zu holen. Auch deshalb, weil ich doch relativ alt bin und doch meistens jüngere Mädels von dieser Problematik betroffen sind. Im Laufe der Jahre habe ich natürlich schon mit der ein oder anderen Freundin über meine Probleme gesprochen, aber nie in „aller“ Offenheit. Letztendlich fühlte ich mich auch nie richtig verstanden, da diese das Problem eben nicht haben.,…

Ich würde mich sehr über einen Austausch mit Betroffenen freuen und erhoffe mir davon, dass mich dies ein bisschen weiter bringt mit der Lösung meines Problems…
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