Bulimie - Jenaer Forscher legen eine erschreckende Studie vor
Jede dritte Schülerin, aber auch junge Männer, leiden unter Essstörungen.
Bulimie (Fresssucht) ist ein
psychisch und
physisch bedingtes krankhaft gesteigertes
Essbedürfnis mit und/oder ohne
Hungergefühl. Der Begriff "
Bulimie" wird häufig und nicht ganz korrekt als Synonym für die "
Ess-Brech-Sucht" (Bulimia nervosa) gebraucht.
Es werden folgende
psychogene Essstörungen unterschieden:
Pubertätsmagersucht (Anorexia nervosa), Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa), Heisshungeressen (Binge eating), Anorexia bulimia (zwanghafter Wechsel zwischen Heißhunger und zwanghaftem Fasten) und der Fettsucht (Adipositas).
In der Studie der Jenaer Forscher wird die gesamte Bandbreite der
Anorexie und
Bulimie aufgezeigt. In den Ausführungen der Studie heißt es, dass jede dritte Schülerin an Frühformen von
Essstörungen und
Magersucht oder
Ess-Brechsucht - leidet. Ursache sei die Sorge um das
Gewicht und die
Figur, die die meisten jungen Menschen sowohl Mädchen als auch Jungen zu diesen
Essstörungen gelangen lässt.
Von den 736 Testpersonen im Alter zwischen 12 bis 32 Jahren neigten 29 Prozent der Frauen und immerhin 13 Prozent der Männer zu diesem "
Essverhalten" aus
Schlankheitswahn. Vorformen der
Essstörungen seien chronisches
Diätverhalten, unnötiges Einlegen von
Hungertagen, künstlich herbeigeführtes
Erbrechen,
Fressanfälle,
exzessives Sporttreiben, Einnahme von
Appetitzüglern, Abführ- und Entwässerungsmitteln. Bodo Strauß, Wissenschaftler aus dem Jenaer Forschungsteam meint: "Diese subklinischen
Essstörungen waren bisher nur wenig erforscht". Jedoch zeugten sie von einer ausgeprägten Konzentration auf die
Idealfigur. Außerdem bestehe die deutliche Tendenz, das
Gewicht kleinlich zu regulieren.
Neben den 369 Probanden der neunten bis elften Jahrgangsstufe aus Jena und Göttingen wurden des weiteren 367 studierende Probanden verschiedener Fakultäten der Universität Jena und der Fachhochschule Zwickau mit einem Fragebogen konfrontiert.
Allein 35 Prozent der befragten Schülerinnen (vorwiegend Gymnasiastinnen) und 23 Prozent der Studentinnen waren betroffen von dem gestörten
Essverhalten. Auch regional gab es hier Unterschiede:
56 Prozent der westdeutschen Schülerinnen sind gefährdet, im östlichen Teil der Republik hingegen "nur" 30 Prozent der Gymnasiastinnen.
Störungen der eigenen
Körperwahrnehmung und
psychologische Auffälligkeiten sind Ursachen eines solche
Essstörungs-Verhaltens. Allein 42 Prozent der Schülerinnen finden sich zu
dick, wobei nur 8 Prozent wirklich
übergewichtig waren.
Auf der anderen Seiten waren 33 Prozent der Befragten realiter
untergewichtig, nur 6 Prozent schätzten sich selbst so ein. Florian Aschbrenner, Mitarbeiter beim Jena Forschungsteam: "Mit zunehmendem Risiko für die Entwicklung einer
Essstörung gelang es den Versuchspersonen immer seltener, ihr Gewicht realistisch einzuschätzen." Ð dies sei ein wesentlicher Hinweis auf den Schweregrad der
Essstörung.
"Wir können feststellen, dass subklinische
Essstörungen ein sehr häufiges und ernstzunehmendes Phänomen bei jungen Menschen darstellen. Die Störungen können im weiteren Verlauf in schwere Erkrankungen wie die
Anorexie oder
Bulimie münden. [...] Dringend wirksame Konzepte zur Prävention und geeignete Screening-Methoden zur Früherkennung von Personen mit subklinischen
Essstörungen müssen entwickelt werden. Schulen stellen als zentraler Aufenthaltsort der Jugendlichen einen geeigneten Ort dar, um Maßnahmen der Aufklärung, Prävention, Früherkennung und erste Hilfestellung durchzuführen", so der
Psychologe Botho Strauß.
Er fordert weiterhin, dass
Entwässerungsmittel,
Appetitzügler und
Abführmittel rezeptpflichtig und nicht frei verkäuflich für junge Menschen werden sollen.
Das Team verlangt mehr Aufklärung über die Medien: "Die Schädlichkeit der Anwendung
gewichtsregulierender Maßnahmen wie
Diäten,
Fastentage,
exzessives Sporttreiben und die Einnahme von
Medikamenten zum
Abnehmen muss vermittelt werden."
Leider würden die Risiken in den
Medien noch immer verharmlost oder würrden sogar als Normalität demonstriert, auch der vorgegebene und von den Medien verfolgte
Schlankheitswahn trage eine Mitschuld, so die Kritik der
Wissenschaftler.
"Viele Frauen haben die realistische Wahrnehmung ihres eigenen
Körpers und die Zufriedenheit mit ihrer
Figur verlernt. Besonders für weibliche Jugendliche besteht in der sensiblem Phase der Pubertät die Gefahr, dass von der Diskrepanz zwischen realem
Körperbild und dem idealen
Körperbild eine krisenauslösende Funktion ausgehen kann", resümiert Strauß.
Zusammenfassend beschreibt die Studie, dass seit 20 Jahren die
Essstörungen in erheblichem Maß zunehmen. Nach Schätzungen der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung litten im Jahr 2000 in Deutschland mehr als 100.000 Frauen im Alter zwischen 15 bis 35 an
Magersucht, rund 600.000 an
Ess-Brechsucht.
Auch Männer sind zunehmend an diesen Ð meist nur als Frauenerkrankungen definierten Störungen Ð erkrankt.
Leitsprüche wir "durch
Dick und
Dünn" oder "es ist keine Schande
gesund zu sein", können nicht wirklich den Betroffenen helfen, sondern mit Verständnis und einem Umdenken in der Gesellschaft, endlich Menschen so anzunehmen wie sie "geschaffen" wurden. Das ist es, was wir verfolgen müssen und nicht künstlich hochgezogene Puppen á la "Barbie" oder "Ken" als Vorbilder zu sehen und einem Gummi- oder Silikonbody hinterher zu jagen.
Quelle :
www.medizin-aspekte.de