"Schweigen macht krank"
Ingolstadt (DK) Eine Gruppe junger Frauen war zu Gast im
Gesundheitsamt. Das Thema des Nachmittags lautete:
Bulimie (Ess- und Brechsucht). Die teils minderjährigen Schülerinnen engagieren sich dabei als so genannte Präventionstutorinnen in Ingolstädter Schulen.
"Vernetzung" ist für Karen Silvester von der Danuvius-Klinik bei dieser Thematik das A und O. Wichtig sei, dass sich bei diesem Projekt Schüler und Lehrer untereinander kennen lernen und dass man sich darüber austauscht, was in den vergangenen Monaten gut gelaufen ist und was nicht. Zunächst arbeitete die
Danuvius-Klinik bei diesem Thema mit dem Evangelischen Bildungswerk zusammen, später mit dem
Gesundheitsamt. Außer, dass die
Klinik Bulimie-Patienten betreute, waren noch vor etwa sechs Jahren keinerlei Strukturen, geschweige denn eine
Behandlungskette erkenn?bar. Seitdem wurde die Prävention peu à peu aufgebaut : in Form von Vorträgen in Schulen, Fortbildungen in Betrieben und in Seminaren.
Nächste Schritte sind neben einem Beratungsangebot ambulante
Einzeltherapien mit Gruppen für
essgestörte Patienten, ein Sommerprojekt mit dem Titel "
Kunst und Körper", die
stationäre Therapie und die Rückfallprävention.
Über all diesen Bemühungen steht als Stichwort "Schweigen macht
krank", sozusagen das Credo der ganzen Veranstaltung, so Silvester. Schüler als Multiplikatoren träfen letztendlich dort den Nerv, "wo wir als Profis nicht herankommen", sagt die Diplompädagogin. Die Schülertutorinnen hätten ein besseres Gespür, wenn es etwa darum gehe, einen Plakattext zielgruppengerecht zu formulieren. "Die Schülerinnen sollen dabei um Gottes Willen nicht therapieren. Ihre Arbeit ist es, zu motivieren, aufzuklären und möglichst anonym Hilfsangebote zu zeigen und zu unterstützen ."
Schüler helfen Schülern
Der Grundgedanke hierbei sei, dass Schüler Schülern helfen. Zum jüngsten Treffen waren Tutorinnen vom Katharinen-, vom Gnadenthal- und vom Christoph-Scheiner-Gymnasium gekommen. Auf die Frage, ob denn schon Schülerinnen bei ihnen um Hilfe nachgefragt hätten, berichtete lediglich eine Tutorin vom CSG: "Ein bisschen." Ein Vertreter eines Gymnasiums meinte: "Unser Chef tritt da leider auf die Bremse." Noch vor ein paar Jahren hätten es manche Direktoren strikt abgelehnt, überhaupt über diese
seelische Erkrankung zu sprechen: "Bei uns gibt es keine
Essgestörten", habe es geheißen.
Die Tutoren und Tutorinnen, Buben und Mädchen ab der achten und neunten Jahrgangsstufe, sowie Lehrkräfte als Kooperationspartner sehen ihre Aufgabe in erster Linie darin, aufzuklären und an der Schule kompetente Ansprechpartner für ihre Mitschüler zu sein. Dabei hilft es ihnen, wenn sie sich beispielsweise bei einem gemeinsamen Frühstück als Ansprechpartner anbieten.
Eltern und andere Nahestehenden, die einen Anfangsverdacht auf eine
Essstörung haben, rät Karen Silvester, auf keinen Fall das
Therapieren in die eigene Hand zu nehmen.
Quelle :
www.donaukurier.de