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Alt 08.10.2007, 16:29
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Standard "Müssen die Mädchen früher in Therapie bringen"

"Müssen die Mädchen früher in Therapie bringen"
Junge Frauen im Alter zwischen 15 und 20 Jahren für Bulimie-Studie gesucht

Von unserem Redaktionsmitglied Michaela Roßner
Die Krankheit wird meist so lange wie möglich geheim gehalten - wer unter Ess-Brechsucht leidet, richtet seinen gesamten Tagesablauf danach aus, heimlich große Mengen Nahrung zu sich zu nehmen und anschließend möglichst schnell wieder von sich zu geben. Je früher die Störung erkannt wird, desto günstiger sehen die Behandlungschancen aus. In Heidelberg werden bisher noch nicht therapierte Teilnehmerinnen für eine auf zwei Jahre angelegte Studie gesucht.

"Mitmachen können junge Frauen aus Heidelberg und Mannheim, aber auch aus dem Rhein-Neckar-Kreis", erklärt Psychologin Annette Stefini, die das Projekt koordiniert. An der Studie sind das Zentrum für Psychosoziale Medizin in Zusammenarbeit mit dem Psychologischen Institut der Universität Heidelberg (Zentrum für Psychologische Psychotherapie) und dem Institut für Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie sowie die Universität Göttingen beteiligt. Das Besondere: Die Therapie ist speziell auf besonders junge Betroffene zugeschnitten. Der Vorteil für die Teilnehmerinnen: "Wir arbeiten mit niedergelassenen Psychotherapeuten zusammen, das bedeutet, dass die Mädchen rasch Therapieplätze bekommen", sagt Stefini. Pro Patientin werden 60 Therapiestunden veranschlagt, die sich jeweils auf zwölf Monate verteilen.

Etwa 15 Prozent aller Mädchen und jungen Frauen entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Essstörung, schätzt Stefini. Meist trete die Krankheit in besonders schwierigen Lebenssituationen auf. Die Gründe werden als sehr vielfältig und tiefgründig beurteilt: Neben einer gewissen Disposition zu einer psychischen Erkrankung dürfe auch das gesellschaftlich geprägte Frauenbild als Auslöser nicht unterschätzt werden. "Oft sind es Mädchen, die sonst im Leben sehr angepasst sind", weiß Stefini: "Sie fallen zum Beispiel in der Schule nicht unbedingt auf." Die Krankheit sei ein Stück weit auch Ausdruck der Ablehnung der eigenen Rolle. Oft kämen die Betroffenen viel zu spät zu einem Arzt oder Therapeuten. Spätfolgen, wie etwa ein von der Magensäure zerfressener Zahnstein oder "Hamsterbacken", die auf chronisch verstärkten Speichelfluss zurückzuführen seien, dürften aber nicht sein: "Wir müssen die Mädchen früher in Therapie bringen."

Bulimie wird oft vor allem mit Ess- und Brechsucht gleichgesetzt. Fernseh-Moderatorin Gundis Zámbó machte ihre Krankheit gerade mit einem Buch publik. Kennzeichen einer Bulimie kann aber auch exzessiver Sport sein.

Junge Frauen, die unter Bulimie leiden, können sich Rat holen unter Telefon 06221/56 59 38 oder per E-Mail unter annette.stefini@med.uni-heidelberg.de

Quelle: www.morgenweb.de
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