"Müssen die Mädchen früher in Therapie bringen"
Junge Frauen im Alter zwischen 15 und 20 Jahren für Bulimie-Studie gesucht
Von unserem Redaktionsmitglied Michaela Roßner
Die
Krankheit wird meist so lange wie möglich geheim gehalten - wer unter
Ess-Brechsucht leidet, richtet seinen gesamten Tagesablauf danach aus, heimlich große Mengen
Nahrung zu sich zu nehmen und anschließend möglichst schnell wieder von sich zu geben. Je früher die
Störung erkannt wird, desto günstiger sehen die
Behandlungschancen aus. In Heidelberg werden bisher noch nicht
therapierte Teilnehmerinnen für eine auf zwei Jahre angelegte Studie gesucht.
"Mitmachen können junge Frauen aus Heidelberg und Mannheim, aber auch aus dem Rhein-Neckar-Kreis", erklärt Psychologin Annette Stefini, die das Projekt koordiniert. An der Studie sind das Zentrum für Psychosoziale Medizin in Zusammenarbeit mit dem Psychologischen Institut der Universität Heidelberg (Zentrum für Psychologische Psychotherapie) und dem Institut für Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie sowie die Universität Göttingen beteiligt. Das Besondere: Die
Therapie ist speziell auf besonders junge
Betroffene zugeschnitten. Der Vorteil für die
Teilnehmerinnen: "Wir arbeiten mit niedergelassenen
Psychotherapeuten zusammen, das bedeutet, dass die Mädchen rasch
Therapieplätze bekommen", sagt Stefini. Pro
Patientin werden 60
Therapiestunden veranschlagt, die sich jeweils auf zwölf Monate verteilen.
Etwa 15 Prozent aller Mädchen und jungen Frauen entwickeln im Laufe ihres Lebens eine
Essstörung, schätzt Stefini. Meist trete die
Krankheit in besonders schwierigen Lebenssituationen auf. Die Gründe werden als sehr vielfältig und tiefgründig beurteilt: Neben einer gewissen Disposition zu einer psychischen
Erkrankung dürfe auch das gesellschaftlich geprägte Frauenbild als Auslöser nicht unterschätzt werden. "Oft sind es Mädchen, die sonst im Leben sehr angepasst sind", weiß Stefini: "Sie fallen zum Beispiel in der Schule nicht unbedingt auf." Die
Krankheit sei ein Stück weit auch Ausdruck der Ablehnung der eigenen Rolle. Oft kämen die
Betroffenen viel zu spät zu einem Arzt oder
Therapeuten. Spätfolgen, wie etwa ein von der
Magensäure zerfressener
Zahnstein oder "Hamsterbacken", die auf chronisch verstärkten Speichelfluss zurückzuführen seien, dürften aber nicht sein: "Wir müssen die Mädchen früher in
Therapie bringen."
Bulimie wird oft vor allem mit
Ess- und Brechsucht gleichgesetzt. Fernseh-Moderatorin Gundis Zámbó machte ihre
Krankheit gerade mit einem Buch publik. Kennzeichen einer
Bulimie kann aber auch exzessiver Sport sein.
Junge Frauen, die unter Bulimie leiden, können sich Rat holen unter Telefon 06221/56 59 38 oder per E-Mail unter annette.stefini@med.uni-heidelberg.de
Quelle:
www.morgenweb.de