Essstörungen erkennen und verstehen
Magersucht, Bulimie, und Binge Eating: Wenn die Seele ausgehungert ist
Rund 2,5 Millionen Menschen leiden unter
Magersucht, genau so viele unter
Bulimie. Betroffen sind vor allem Mädchen und Frauen. Sie machen in Deutschland 95% der Erkrankten aus. Die Ursachen und Erscheinungsbilder einer
Essstörung sind vielfältig. In allen Fällen handelt es sich jedoch um eine schwerwiegende
seelisch-körperliche Erkrankung. Eine rechtzeitige und fachgerechte Behandlung ist notwendig, um
Schädigungen des
Körpers und der
Psyche zu verhindern.
"Der Übergang von
gestörtem Essverhalten zu einer
krankhaften Essstörung verläuft oft schleichend", erklären die Diplom-
Psychologen Günter Reich und Uta Killius und die Diplompädagogin Cornelia Götz-Kühne. "Die Betroffenen versuchen die
Erkrankung meist schamhaft zu vertuschen", weiß
Psychoanalytiker Reich. Als Leiter der Ambulanz für
Familientherapie und
Essstörungen an der Universitätsklinik Göttingen kennt er, ebenso wie seine Mitarbeiterin Killius, die unterschiedlichen Erscheinungen
essgestörten Verhaltens gut. Gemeinsam mit Götz-Kühne, der langjährigen Vorsitzenden des Bundesfachverbandes
Essstörungen, möchten sie Betroffenen und Angehörigen Mut machen, die Krankheit offen und gemeinsam anzugehen.
Viele Eltern merken lange Zeit nicht, dass ihr Kind unter einer
Essstörung leidet. Eine verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers oder eine übertriebene
Körperpflege sind nur einige Verhaltensweisen, die Erkrankte zeigen. Ebenso komplex sind die Ursachen, die hinter der Erkrankung stecken. Eine endgültige Diagnose kann daher nur durch Fachleute erfolgen. Sie unterscheiden drei Hauptformen von
Essstörungen: Die
Magersucht (Anorexia nervosa), Bulimie (Bulimia nervosa) und
Binge Eating (Essstörung mit "Fressanfällen").
In allen drei Fällen wird das
Essen in abnormen Mengen aufgenommen und von den Betroffenen als Problembewältigung verstanden. Durch Zuviel- oder Zuwenig-Essen versuchen sie ein besseres
Selbstwertgefühl zu erreichen, das sich jedoch nicht einstellt. So beginnt ein Teufelskreis aus übermäßigem
Essen,
Hungern oder
Essen und
Erbrechen, der ohne fachliche Hilfe kaum durchbrochen werden kann.
Das
gestörte Essverhalten führt zu Wachstums- und
Hormonstörungen,
Schädigung von
Zähnen,
Haut und
Haaren,
Herz- und
Kreislauf- sowie
Stoffwechselerkrankungen. Hinzu kommen schwere
seelische Schäden wie
Depressionen,
Angst- und
Persönlichkeitsstörungen. Sie verändern das Wesen der Patienten enorm und die ohnehin wenigen sozialen Beziehungen zerbrechen. An diesem Punkt erweist sich die
Essstörung endgültig als "Sackgasse"...
Quelle :
www.medizin.de