OBERDIESSBACH: Lieber Zuwendung als Schoggi
22.03.2007 Andrea Schneider, ernährungspsychologische Beraterin IKP und Michel Fernandez, ernährungspsychologischer Berater IKP und Reallehrer, klärten in Oberdiessbach über Ursachen von Essstörungen und Übergewicht auf.
Marianne Sasse Riesen
«Die Medien und die
Mode verführen zu
ungesundem Schlanksein», meinte Andrea Schneider am Schulforum mehrerer Kiesentaler Gemeinden in Oberdiessach. Ihr Thema war
«Essstörungen und
Fehlernährung».
«In den Illustrierten für Frauen werden
Diäten angepriesen und die
Top-Models sind oft stark
untergewichtig.» Michael Fernandez ergänzte: «Es ist die Aufgabe der Erwachsenen, den Kindern und Jugendlichen aufzuzeigen, wie normale Proportionen aussehen». Um an einer
Magersucht zu erkranken, reiche der Einfluss von Werbung und Bekleidungsindustrie allein jedoch nicht. Auch biologische, familiäre und individuelle Faktoren spielten eine Rolle. Bei manchen
Magersüchtigen sei das
Sättigungs- oder
Hungergefühl gestört. Oft hätten sie auch ein schlechtes
Selbstwertgefühl. «Aus Angst vor eigenem Ungenügen haben sie ein verstärktes Bedürfnis nach Kontrolle. Diese erlangen sie über die
Gewichtsabnahme. Seelisch und körperlich geschwächt, sinkt aber das
Selbstwertgefühl, was wiederum in Angst vor Ungenügen mündet. Ein Teufelskreis.», so Schneider.
Viele sind zu schwer
Weit mehr verbreitet als die
Magersucht ist jedoch das
Übergewicht. «Jedes fünfte Kind in der Schweiz ist
übergewichtig.», erklärte Fernandez. Neben der erblichen Veranlagung und
psychologischen Faktoren seien Fehl-
ernährung und
Bewegungsarmut die Ursache dafür. Die Vorbeugung von
Übergewicht ist wichtig. Daher würden in verschiedenen Projekten Kinder zu
Bewegung motiviert und über
gesunde Ernährung aufgeklärt.
«Wird ein Hamburger mit Salat statt Pommes frites kombiniert, darf man ihn durchaus geniessen.», beruhigte Schneider.
«Essen soll nicht nur aus Geboten und Vorschriften bestehen, sondern Freude machen, lustvoll sein und alle Sinne ansprechen.»
Essen dürfe nicht dazu dienen, ein anderes Bedürfnis als Hunger zu stillen, sprach Fernandez einen weiteren Aspekt von
Essproblemen an. Dem Kind immer wieder etwas Süsses oder Pommes Chips anstelle von Nähe und Zeit anzubieten, könne verheerende Folgen haben: «Das Kind lernt, sein ursprüngliches Bedürfnis nach Liebe und Anerkennung durch
Essen zu stillen. Wird das verinnerlicht, bleibt dieses Muster auch im Erwachsenenalter erhalten.» Ein bewusster Umgang mit
Nahrung sei deshalb zwingend notwendig.
Quelle :
www.wochen-zeitung.ch