"Diäten sind die Einstiegsdroge"
Rund 200.000 Menschen leiden in Österreich an
Magersucht oder
Bulimie. Die neue Kampagne "
Wenn die Seele hungert" will helfen.
Die Bilder von bis auf die
Knochen abgemagerten Models gingen in den vergangenen Monaten ebenso um die Welt wie die Meldungen über einige
Todesfälle in dieser Branche. Doch
Ess-Brechsucht (Bulimia Nervosa) und Magersucht (Anorexia Nervosa) sind in allen Gesellschaftsschichten am Vormarsch - auch in Österreich. Schätzungen zufolge sollen hier zu Lande rund 200.000 Menschen betroffen sein. Die erste nationale Kampagne unter dem Motto "
Wenn die Seele hungert" will ab sofort aufklären, beraten, sensibilisieren und helfen.
"Das Thema wird nach wie vor tabuisiert und aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt", sagte Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (V) am Dienstag bei der Präsentation der Kampagne von "sowhat", dem Institut für Menschen mit
Essstörungen. Derzeit gebe es in Österreich etwa 2.500 Mädchen im Alter von 15 bis 20 Jahren mit ausgeprägter
Magersucht, jährlich kommen 600 neue Fälle hinzu. "Wir dürfen junge Menschen nicht sehend ins Unglück laufen lassen", forderte die Ministerin.
Alle Altersgruppen betroffen
Doch
Essstörungen ziehen sich durch alle Altersgruppen. Betroffen sind vor allem Frauen. Deren Anteil der in Österreich an Bulimie,
Magersucht oder
Essanfällen erkrankten Menschen beträgt 95 Prozent. "Wir müssen rechtzeitig Hilfe anbieten, um
körperliche Schäden zu verhindern", so Kdolsky. Symptome dieser Ausprägung seien ein "sichtbarer Ausdruck, dass jemand nicht mit seinem Leben zurechtkommt, ein gestörtes Verhältnis zu seinem
Körper und zum
Essen hat".
"
Diäten sind die Einstiegsdroge", erklärte Bernhard Wappis, Initiator der Kampagne und selbst zehn Jahre lang
magersüchtig. Er bezeichnet
Essstörungen jeglicher Art "längst als
Volkskrankheit einer ganzen Generation", die "unbedingt professionell behandelt werden müssen". Das 1993 gegründete Institut "sowhat" betreut derzeit rund 800 Menschen in Wien und Niederösterreich. Die Kampagne "
Wenn die Seele hungert" soll durch TV- und Radio-Spots sowie Plakaten und Postkarten eine breite Öffentlichkeit erreichen. Das Gesundheitsministerium hat sich an dem Projekt mit 40.000 Euro beteiligt.
Quelle :
www.kurier.at