Wenn die Seele hungert
Michaela Rose
Beginn des Inhaltes
Das Repertoire der Ess-Störungen reicht von selbst auferlegtem Nahrungsverzicht über Fitness-Sucht bis hin zu Heißhunger-Fressattacken. Dahinter können seltsame aber auch ernsthafte Erkrankungen stecken.
Bin ich zu
dick?
Esse ich zu oft
Fettiges? Bekomme ich genug
Vitamine? Wie viele
Kalorien das wohl wieder haben mag? Hin und wieder erwischt sich wohl jeder mit der Grübelei über das eigene
Ernährungsverhalten. Was durchaus sinnvoll ist, um selbstverantwortlich der
Gesundheit auf die Sprünge zu helfen, kann aber auch
krankhafte Züge annehmen und zum
Zwang werden.
Wenn sich alles nur noch ums Essen dreht ...
Eine
Ess-Störung ist keine harmlose Marotte, sondern eine ernstzunehmende
Erkrankung, die zumeist mit
gesundheitlichen Risiken sowie weitgreifenden
psychischen und
sozialen Folgen verbunden ist. Bei allen
Ess-Störungen wird die
Ernährung zu einem schwerwiegenden und zentralen Problem, welches das Leben stark beeinflusst. Gedanken drehen sich zwanghaft ständig um das Thema "
Essen" und der Alltag wird darauf ausgerichtet. Man unterscheidet zwischen drei charakteristischen
Krankheitsbildern:
*
Magersucht oder Anorexie: Der oder die
Betroffene fühlt sich zu
dick und führt durch
Nahrungsrestriktion absichtlich einen teilweise immensen
Gewichtsverlust herbei.
*
Ess-Brech-Sucht oder Bulimie: Wiederholte Anfälle von
Heißhunger und Ess-Attacken werden mit provoziertem
Erbrechen und akribischer
Gewichtskontrolle ausgeglichen.
*
Ess-Sucht oder Binge Eating Disorder: Bei regelmäßigen
Heißhungeranfällen werden große Mengen von
Lebensmitteln verzehrt, ohne dass ein Ausgleich z.B. durch
Erbrechen stattfindet.
Betroffene leiden oft an "Mischformen" dieser
Krankheitsbilder oder verändern ihre
Ess-Störung im Laufe der Zeit. So kann sich aus einer
Bulimie z.B. eine
Magersucht entwickeln oder eine
Magersüchtige versucht, durch
Erbrechen den erwünschten
Gewichtsverlust zu erreichen.
Die Psyche rebelliert
Als Ursache für eine
Ess-Störung liegen oft
seelische Probleme oder
familiäre Konflikte vor, die durch eine strikte Kontrolle von
Nahrungs- und Kalorienaufnahme und/oder
Körpergewicht kompensiert werden sollen.
Übermäßiges Essen oder selbst
"verordnetes" Hungern verschafft eine Befriedigung in Form einer Sicherheit, die jedoch nur kurzfristig anhält. Dabei kann sich durchaus ein
suchtartiges Verhalten entwickeln - bis hin zum Wiederholungszwang und der Unfähigkeit, das eigene Verhalten zu kontrollieren.
Krankhaftes Schönheitsideal
Nicht unerheblich für die Entwicklung eines gestörten Umgangs mit
Ernährung und Körpergewicht ist das gängige
Schönheitsideal -
Schlanksein wird in unserer Gesellschaft mit Attraktivität und Erfolg verknüpft. Vor allem Mädchen und junge Frauen eifern untergewichtigen Vorbildern nach, die in Medien und Werbung omnipräsent sind. Mittlerweile sind aber auch zunehmend Jungen und Männer von
Ess-Störungen betroffen.
(K)Eine Frage des Alters?
Insbesondere in der Pubertät wird der eigene
Körper schnell als Makel empfunden, unter dem das
Selbstvertrauen leidet. So beginnt eine
Ess-Störung in den meisten Fällen vor dem 25. Geburtstag. Allerdings wird in allen Alterstufen mittels verschiedener Gegenmaßnahmen der vermeintlich unzulängliche
Körper an das
Schlankheitsideal angepasst - diese können die Entwicklung von
Ess-Störungen begünstigen:
*
Einstiegsdroge: Wiederholte
Diäten liefern erste Erfahrungen zur Manipulation des eigenen
Körpergewichts.
*
Fitness: Mit
exzessivem Sporttreiben wird der
Körper auf "
schlank" getrimmt - oft zusätzlich zur strengen
Diät.
*
Selektion: Die
Lebensmittelauswahl wird einseitig auf "gute" oder "
kalorienarme" beschränkt - die "schlechten" und "
kalorienhaltigen" werden gemieden.
*
Hungern: Durch
radikale Nahrungsverweigerung wird die
Kalorienzufuhr drastisch gedrosselt - weit unter dem täglichen Bedarf.
*
Pillen: Das
Gewicht soll durch
Abführmittel, Appetitzügler oder Entwässerungsmedikamente gehalten oder reduziert werden.
Quelle :
www.ard.de