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Alt 07.06.2007, 11:58
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Standard Wenn die Seele hungert

Wenn die Seele hungert
Michaela Rose

Beginn des Inhaltes

Das Repertoire der Ess-Störungen reicht von selbst auferlegtem Nahrungsverzicht über Fitness-Sucht bis hin zu Heißhunger-Fressattacken. Dahinter können seltsame aber auch ernsthafte Erkrankungen stecken.


Bin ich zu dick? Esse ich zu oft Fettiges? Bekomme ich genug Vitamine? Wie viele Kalorien das wohl wieder haben mag? Hin und wieder erwischt sich wohl jeder mit der Grübelei über das eigene Ernährungsverhalten. Was durchaus sinnvoll ist, um selbstverantwortlich der Gesundheit auf die Sprünge zu helfen, kann aber auch krankhafte Züge annehmen und zum Zwang werden.
Wenn sich alles nur noch ums Essen dreht ...

Eine Ess-Störung ist keine harmlose Marotte, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung, die zumeist mit gesundheitlichen Risiken sowie weitgreifenden psychischen und sozialen Folgen verbunden ist. Bei allen Ess-Störungen wird die Ernährung zu einem schwerwiegenden und zentralen Problem, welches das Leben stark beeinflusst. Gedanken drehen sich zwanghaft ständig um das Thema "Essen" und der Alltag wird darauf ausgerichtet. Man unterscheidet zwischen drei charakteristischen Krankheitsbildern:

* Magersucht oder Anorexie: Der oder die Betroffene fühlt sich zu dick und führt durch Nahrungsrestriktion absichtlich einen teilweise immensen Gewichtsverlust herbei.
* Ess-Brech-Sucht oder Bulimie: Wiederholte Anfälle von Heißhunger und Ess-Attacken werden mit provoziertem Erbrechen und akribischer Gewichtskontrolle ausgeglichen.
* Ess-Sucht oder Binge Eating Disorder: Bei regelmäßigen Heißhungeranfällen werden große Mengen von Lebensmitteln verzehrt, ohne dass ein Ausgleich z.B. durch Erbrechen stattfindet.

Betroffene leiden oft an "Mischformen" dieser Krankheitsbilder oder verändern ihre Ess-Störung im Laufe der Zeit. So kann sich aus einer Bulimie z.B. eine Magersucht entwickeln oder eine Magersüchtige versucht, durch Erbrechen den erwünschten Gewichtsverlust zu erreichen.
Die Psyche rebelliert

Als Ursache für eine Ess-Störung liegen oft seelische Probleme oder familiäre Konflikte vor, die durch eine strikte Kontrolle von Nahrungs- und Kalorienaufnahme und/oder Körpergewicht kompensiert werden sollen. Übermäßiges Essen oder selbst "verordnetes" Hungern verschafft eine Befriedigung in Form einer Sicherheit, die jedoch nur kurzfristig anhält. Dabei kann sich durchaus ein suchtartiges Verhalten entwickeln - bis hin zum Wiederholungszwang und der Unfähigkeit, das eigene Verhalten zu kontrollieren.
Krankhaftes Schönheitsideal

Nicht unerheblich für die Entwicklung eines gestörten Umgangs mit Ernährung und Körpergewicht ist das gängige Schönheitsideal - Schlanksein wird in unserer Gesellschaft mit Attraktivität und Erfolg verknüpft. Vor allem Mädchen und junge Frauen eifern untergewichtigen Vorbildern nach, die in Medien und Werbung omnipräsent sind. Mittlerweile sind aber auch zunehmend Jungen und Männer von Ess-Störungen betroffen.
(K)Eine Frage des Alters?

Insbesondere in der Pubertät wird der eigene Körper schnell als Makel empfunden, unter dem das Selbstvertrauen leidet. So beginnt eine Ess-Störung in den meisten Fällen vor dem 25. Geburtstag. Allerdings wird in allen Alterstufen mittels verschiedener Gegenmaßnahmen der vermeintlich unzulängliche Körper an das Schlankheitsideal angepasst - diese können die Entwicklung von Ess-Störungen begünstigen:

* Einstiegsdroge: Wiederholte Diäten liefern erste Erfahrungen zur Manipulation des eigenen Körpergewichts.
* Fitness: Mit exzessivem Sporttreiben wird der Körper auf "schlank" getrimmt - oft zusätzlich zur strengen Diät.
* Selektion: Die Lebensmittelauswahl wird einseitig auf "gute" oder "kalorienarme" beschränkt - die "schlechten" und "kalorienhaltigen" werden gemieden.
* Hungern: Durch radikale Nahrungsverweigerung wird die Kalorienzufuhr drastisch gedrosselt - weit unter dem täglichen Bedarf.
* Pillen: Das Gewicht soll durch Abführmittel, Appetitzügler oder Entwässerungsmedikamente gehalten oder reduziert werden.

Quelle : www.ard.de
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