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Alt 12.06.2007, 02:40
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Standard Essstörungen: Zu viel, zu wenig, zu dick, zu dünn

Essstörungen: Zu viel, zu wenig, zu dick, zu dünn

Medical Tribune Bericht
Essen - man sollte meinen, die natürlichste Sache der Welt. Aber für immer mehr Erwachsene und auch Kinder und Jugendliche gibt es diese Natürlichkeit nicht mehr: Schlankheitswahn, Überangebot an Nahrungsmitteln und psychische Probleme führen zu ungesundem Essverhalten.
Essen als Sucht - das führt auf Dauer zu schweren gesundheitlichen Problemen: Bei extremem Untergewicht droht Organversagen, bei Dickleibigkeit können Diabetes, Herz-Kreislauf- und Gelenkerkrankungen lebenslange Folgen sein. Die extreme Ess-Brech-Sucht kann zu einem lebensgefährlichen Elektrolytemangel führen und einschlägige Diäten provozieren den Jo-Jo-Effekt, wobei sich das Gewicht von Diät zu Diät hochschaukelt.

Ursachen der Störung angehen

Einen neuen Weg zur Behandlung von Essstörungen beschreitet seit dem Frühjahr 2005 der BKK Landesverband Hessen. In Zusammenarbeit mit dem Wiesbadener "Forum für Ess-Störungen", einer psychotherapeutischen Praxis mit mehrdimensionalem Behandlungskonzept, bieten die Betriebskrankenkassen einen neuartigen Rahmenvertrag zur Integrierten Versorgung an, an dem alle BKKs bundesweit teilnehmen können: Neben der Psychotherapie in Einzelsitzungen werden weitere Therapiebausteine angeboten.

Bausteinprinzip: für jeden das Richtige

Ernährungsberatung, Körperbewusstseinstraining, Gruppen- und Kunsttherapie, ein Angehörigen-Gesprächskreis sowie für Übergewichtige eine Lauftherapie sollen die Betroffenen wieder an ein normales Essverhalten heranführen. Dabei ist die Zusammenarbeit mit (Haus-)Ärzten und stationären Einrichtungen möglichst eng, um eine eventuelle stationäre Akutbehandlung und Rehabilitation zu optimieren. Das Modellkonzept wird von der Abteilung Klinische Psychotherapie der Universität Mainz in einer kontrollierten Studie wissenschaftlich begleitet.

Auch die Familien werden einbezogen

Der Vorteil: Alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen können diese Therapie ambulant - bis zu einem Jahr lang - durchführen und die Kosten werden von den BKKs übernommen. Dazu die Projektleiterin für Integrierte Versorgung beim BKK-Dachverband in Frankfurt, Kathleen Schönberner: "An diesem Modellprojekt nehmen derzeit 38 BKKs teil. Das Einzugsgebiet der Patienten und Patientinnen ist primär das Rhein-Main-Gebiet, da das Forum für Ess-Störungen dort seinen Sitz hat. Von großem Vorteil ist die Einbindung der Familien in das Programm, da die Erkrankung oft auch das soziale Umfeld unserer Patienten betrifft."
Dass dieses multimodale Konzept sehr gut funktionieren kann, hat die 37-jährige Verkäuferin Ingrid* erfahren. Sie begann ihre Behandlung im Juni 2005 mit starkem Übergewicht von 100 Kilo, das sie reduzieren wollte. Zusätzlich hatte sie Depressionen und Alkoholprobleme, die ebenfalls in der Therapie aufgearbeitet wurden. Zwei Monate zuvor hatte sie mit dem Rauchen aufgehört. Während der Therapie begann Ingrid erstmals wieder regelmäßig zu essen und lernte, soziale Konflikte verbal auszudrücken. Von ihren Erfahrungen in den Einzelsitzungen konnte sie auch den anderen Teilnehmern berichten, was die Eindrücke noch verstärkte. Besonders Selbstbewusstsein und Körperwahrnehmung haben sich durch die unterschiedlichen Therapieformen stark positiv verändert.

Entsprechend motiviert hat die Teilnehmerin ihre fünf Therapiebausteine besucht. Ingrid konnte ihr Gewicht innerhalb von zwölf Therapiemonaten um 15 Kilo auf 85 Kilo reduzieren und auch danach über sechs Monate stabil halten.

* Name geändert

Hilfsangebote finden Sie auch im Internet:

* www.forum-ess-stoerungen.de - Therapienetz Essstörung
* www.bundesfachverbandessstoerungen.de - Der „Bundesfachverband Essstörungen“ bietet den Selbsttest Quick-Check Essstörungen an.

www.bzga-essstoerungen.de - Die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung bietet diverse Broschüren zum Thema an sowie das „Adressverzeichnis Beratung, Selbsthilfe, Therapie bei Essstörungen“
* www.ab-server.de - Psychologische Online-Beratung für Betroffene und Angehörige

Quelle: www.medical-tribune.de
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