TV-Soap thematisiert tödliche Gefahr von Magersucht
London - Der britische Fernsehsender Channel 4 thematisiert in einer TV-Soap zum ersten Mal die Gefahr von Magersucht. Wie die Zeitung The Independent berichtet, hat es eine Serie zu der Problematik in dieser Form bislang noch nicht gegeben.
«Hollyoaks» will sich der
Anorexie auf ganz unverblümte und realistische Weise nähern und die tödliche Gefahr hinter der
Essstörung herausstreichen. Gezeigt wird das Leben zweier Teenager-Mädchen, die im
Abnehmwahn miteinander wetteifern. Am Ende
stirbt eines der beiden. Aufrgund der Brisanz und Popularität des Themas, kann Channel 4 auf ein grosses Publikum und einen Erfolg der Serie hoffen. Der Sender selbst pocht auf Aufklärung als Intention für die Show. «Ich glaube, dass eine solche Serie beides bewirken kann: Sowohl aufklären als auch abschrecken. Vor allem muss man auch die Gefahr in Betracht ziehen, dass so sensationell aufgemachte Informationen zu Nachahmung verführen können», meint Barbara Reiterer,
Psychotherapeutin und Schulärztin.
Neutral aufklären und informieren
In erster Linie sei es wichtig, sich dem Thema nicht nur emotionell und sensationsgesteuert zu nähren, sondern neutral aufzuklären und zu informieren. Laut britischen Studien
stirbt eine von fünf Personen, die an
Anorexie leidet - entweder aufgrund der
Krankheit selbst oder aber durch
Selbstmord. Häufig konkurrien, wie es in Hollyoaks dargestellt wird, betroffene Freundinnen miteinander, wer schneller noch
dünner werden kann. Dieser Wettbewerb treibt die
Magersüchtigen nicht selten bis in den
Tod.
«Für direkt
Betroffene halte ich diese Soap, gerade wenn es dann um
Tod und den damit verbundenen Schmerz geht, für sehr nachteilig», so Reiterer.
Magersucht beginnt im Teenageralter
Im Regelfall beginnt
Magersucht im Teenageralter und betrifft vor allem Mädchen. Grundsätzlich kann die
Essstörung aber in jedem Alter und bei beiden Geschlechtern auftreten. Viele
Betroffene neigen dazu, ihre
Krankheit zu kultivieren. Es gibt mittlerweile sogar
Internet-Communities bzw. Bewegungen wie
ProAna, die die
Magersucht als oberstes Lebensziel glorifizieren und zu etwas Positivem verwandeln. Obwohl sich bereits Gegentrends in der Gesellschaft bemerkbar machen, wie etwa die Forderung nach einem
Mindestgewicht für Models, scheint der Trend zum
krankhaften Abnehmen weiterhin zuzunehmen. «Grundsätzlich kann ich aus der Praxis sagen, dass der Trend zur
Anorexie noch immer weiter zunimmt. Was die Anzahl der Klienten sowie die Gesprächsthemen der jungen Mädchen betrifft, greift
Magersucht weiter um sich», bestätigt Reiterer. Was die TV-Serie Hollyoaks betrifft, zeigen sich die Darsteller zumindest davon überzeugt, dass die Produktion etwas im Kampf gegen die
Essstörung bewirken kann. «Die Modemagazine zeigen nur die glamouröse Seite von
Magermodels. Unsere Show aber zeigt das Gegenteil, sie zeigt die Realität und wohin
Anorexie letztlich führen kann», sagt Emma Rigby, die eine der beiden Freundinnen in der Serie spielt.
Quelle:
www.nachrichten.ch