Anorexia Athletica
Hungern für den sportlichen Erfolg
GRAZ – Ein schlanker Körper und sportliche Höchstleistung scheinen bei Läufern, Leichtathleten und anderen Sportlern zusammenzugehören - für den Erfolg fangen deshalb schon Kinder an zu hungern. Entwicklungsstörungen sind die Folge.
Sportlicher Erfolg entscheidet mitunter schon im Kindesalter über soziale Akzeptanz: Der beste Fußballer im Team und die schnellste Schwimmerin sind meist auch beliebt. Das kann dazu führen, dass junge Athleten nicht nur mit dem Training übertreiben, sondern gleichzeitig strenge
Diäten halten. Diese Form von
Magersucht,
Anorexia Athletica genannt, kann die Entwicklung von Kindern erheblich stören, warnen Michaela Tappauf und ihre Kollegen von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Graz (Monatsschrift Kinderheilkunde 09/2007, DOI 10.1007/s00112-007-1586-6).
Meist beginnen Jugendliche in der Pubertät mit der
ungesunden Mischung aus
wenig Essen und viel Sport. Das hänge auch damit zusammen, dass insbesondere Mädchen in dieser Phase üblicherweise an
Körperfett zulegen, schreiben die Autoren. Wenn die Kinder dann versuchen, den Veränderungen des
Körpers mit strenger
Diät und hartem Training entgegen zu wirken, kommt es zu einer gestörten Entwicklung. Bei Mädchen entsteht häufig eine sogenannte
Athletinnen-Trias: Das
Wachstum ist beeinträchtigt, die
Menstruation fällt aus und die
Knochendichte nimmt ab. Bei Jungen kann es zu einem verzögerten Wachstum bis hin zum vollständigen Stopp der Entwicklung kommen.
Wenn Kinder neben einem verstärkten Training eine selbst entwickelte
Diät einhalten oder extrem viel Flüssigkeit zu sich nehmen, sollten Freunde und Eltern hellhörig werden. Im Anfangsstadium fällt es noch verhältnismäßig leicht, eine langfristige
Essstörung zu verhindern, so die Experten. Dabei sollten Eltern auch den Sporttrainer mit einbeziehen: Ein weniger anstrengendes Training und
Ernährungsempfehlungen vom Trainer wirken oft besser, als ein Ausschluss aus dem Verein.
Die
Sport-Magersucht ist international noch nicht als eigenständige
Krankheit anerkannt - oft sind die Grenzen zu
Mager- beziehungsweise Sportsucht selbst für Ärzte schwer zu ziehen. Tappauf und Kollegen warnen jedoch davor, diese Form der
Essstörung zu vernachlässigen: "
Gewichtsdoping" nimmt unter Kindern stetig.
Quelle:
www.medical-tribune.de