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Alt 09.10.2007, 18:49
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Standard Schönheit im Zeichen der Globalisierung-Anorexie und Bulimie

Schönheit im Zeichen der Globalisierung - Anorexie und Bulimie als Exportware
(PA) Der diesjährige „Welttag für Seelische Gesundheit“ am 10. Oktober widmet sich kulturellen Einflüssen auf die Psyche


Essstörungen sind längst nicht mehr nur eine Wohlstandskrankheit der Industrienationen. Mit der medialen Verbreitung des westlichen Schönheitsideals seit Mitte der 90er Jahre erfahren Anorexie und Bulimie einen dramatischen Aufschwung in Ländern, in denen ein dünner Frauenkörper vormals Ausdruck von Armut und Schwäche war.

„Den Medien allein die Schuld an dieser Entwicklung zu geben, wäre sicherlich zu einfach. Wie groß ihr Einfluss auf gesellschaftliche Maßstäbe jedoch ist, zeigt sich an prominenten Beispielen wie auf den Fiji-Inseln und in Afrika“, sagt Silvia Uhle, Leitende Psychologin der Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie in Münster.

1998, drei Jahre nach dem Import von Serien wie „Melrose Place“ und Modemagazinen, finden sich auf den Fiji-Inseln bereits 74 Pro-zent der weiblichen Teenager zu dick, 15 Prozent kontrollieren ihr Gewicht, indem sie erbrechen. Diäten gehören zur Tagesordnung. Wer modern und erfolgreich sein will, muss nach westlichen Standards schlank sein.

Auch in Afrika verändert sich das Schönheitsideal mit dem Einzug westlicher Medien. Früher wurden dünne Frauen diskriminiert, heute gelten sie als begehrenswert, erfolgreich und wohlhabend. Seitdem hochgewachsene und schlanke afrikanische Models, wie Agbani Darego und Ajuma Nasenyana, Schönheitswettbewerbe gewinnen und internationale Laufstege erobern, haben Essstörungen Hochkonjunktur.

Weltweit versuchen sich immer mehr junge Frauen in eine Modelfigur hineinzuhungern, obwohl der Kontrast zwischen Idealfigur und realen Maßen laut der British Medical Association nie größer war als heute: Das Durchschnittsgewicht von Models liegt mittlerweile etwa 20 Prozent unter dem Bevölkerungsdurchschnitt.

Dieser Trend zeigt sich auch an weiblichen Schaufensterpuppen. Nach Aussage von finnischen Wissenschaftlern ist der dargestellte Fettanteil in den letzten 50 Jahren so stark gesunken, dass er heute weniger als 17 Prozent des Körpergewichtes beträgt. Normal wären 20 bis 30 Prozent. Im Vergleich zur durchschnittlich gebauten Frau haben Schaufensterpuppen heute 13,5 Zentimeter weniger Hüftumfang und zehn Zentimeter dünnere Oberschenkel. „Überträgt man diese Maße auf Frauen, wären normale Körperfunktionen wie Menstruation und Schwangerschaft nicht mehr möglich. Nach WHO-Standards würden sie als unterernährt gelten“, erklärt Silvia Uhle.

Während die einen das globale Streben nach westlichen Schönheitsstandards als emanzipatorischen Prozess von Frauen begreifen, die um ihre soziale Unabhängigkeit ringen, warnen die anderen vor einem neuen Kulturimperialismus, der Frauen in eine „innere Gefangenschaft“ treibt. Nach dem Export westlicher Vorstellungen von Schönheit und Erfolg, die eine weltweite Ausbreitung von Bulimie und Magersucht begünstigt haben, ist es nun an der Zeit ein Schönheitsideal zu vermitteln, das sich wieder an der Realität misst, Unzulänglichkeiten zulässt und stärker auf innere Werte setzt – national wie international.

Allgemeine Informationen zu Essstörungen erhalten Interessierte im Internet unter http://www.c-d-k.de. Mittwochs zwischen 17 und 20 Uhr bietet die Klinik unter der Rufnummer 0251/4810-100 für Betroffene und Angehörige ein kostenloses Informationstelefon an.[/u]

Quelle: www.presseanzeiger.de
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