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Alt 14.10.2007, 20:15
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Standard "Ekelgefühle lassen sich therapieren"

Essstörungen - "Ekelgefühle lassen sich therapieren"
Anne Schienle über Personen mit Essstörung.
Frau Professor Schienle, welchen Zusammenhang gibt es zwischen Essstörungen und Ekel?


Ekel ist eine der elementarsten Emotionen des Menschen und seinem Ursprung nach auf die Nahrung bezogen. Evolutionstheoretisch betrachtet motiviert er die orale Abwehr beispielsweise von schlechtem Essen. Das spiegelt schon der angeekelte Gesichtsausdruck wider, der der gleiche ist wie beim tatsächlichen Erbrechen. Deswegen lag die Hypothese nahe, dass Personen, die unter Magersucht (Anorexie), Ess-Brech-Sucht (Bulimie) oder Ess-Anfällen - einer Binge Eating Disorder (BED) - leiden, ein verändertes Ekelempfinden im Vergleich zu Personen ohne Essstörung aufweisen. Daher untersuche ich, welche Rolle der Ekel für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Essstörungen spielt.
Mit welchem Ergebnis?
Unsere aktuelle, noch nicht veröffentlichte Studie mit Bulimie- und BED-Patientinnen zeigt, dass das allgemeine Ekelempfinden bei den essgestörten Patientinnen nicht ausgeprägter ist als bei der Kontrollgruppe. Da liegt bei anderen psychischen Störungen, etwa bei Spinnenphobikern oder Zwangspatienten, oft eine viel größere allgemeine Ekelempfindlichkeit vor. Allein bei nahrungsbezogenen Reizen, zum Beispiel Bildern von verdorbenen, ungewöhnlichen aber auch bei hoch kalorischen Nahrungsmitteln reagieren Essgestörte deutlich stärker.

Wie messen Sie Ekel?

Wir haben einen Fragebogen zur Erfassung der Ekelempfindlichkeit entwickelt und messen die Gehirnaktivität im Magnetresonanztomographen (MRT) während die Probanden Ekel- oder Nahrungsbilder betrachten. Die Selbstauskunft und das Brainimaging im MRT zeigen, dass die Nahrungsbilder bei Bulimikerinnen stärker als bei den anderen Gruppen Ekel auslöste, was unter anderem mit einer Aktivierung der Insula einherging. Diese Hirnregion wird von einigen Neurowissenschaftlern als die Ekelregion schlechthin bezeichnet. Allerdings haben unsere Studien dieses Ergebnis nicht bestätigt. Ich denke, sie spielt auch bei Angst und anderen Emotionen eine Rolle.

Kann man Ekel abtrainieren?

Auf jeden Fall. Das sehe ich auch an mir selber. Unser Ekel-Bilderset fand ich zu Beginn auch widerlich, jetzt registriere ich nur noch das dargestellte Objekt - ohne dass ein Ekelgefühl entsteht. Auch bei Spinnenphobikern haben wir durch Konfrontationstherapie gute Erfolge erzielt, die irrationale Angst beziehungsweise den Ekel abzubauen. Ekelüberempfindlichkeit, ein zentraler Faktor bei Waschzwängen, lässt sich ebenfalls therapieren. Bei Essstörungen wissen wir allerdings noch nicht, ob der nahrungsbezogene Ekel Ursache oder Folge der Krankheit ist. Weitere Ekel basierte Emotionen, wie die Scham, könnten hier wichtiger sein. Das sollte näher untersucht werden.

Quelle: www.fr-online.de
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