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Alt 08.09.2007, 04:14
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Standard Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen

Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen
Die Anzahl übergewichtiger und adipöser Kinder ist in den letzten 20 Jahren immens gestiegen, so das Ergebnis einer mehrjährigen Studie des Robert-Koch-Institutes über die Verbreitung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen (KiGGS). Wie kann diesen besorgniserregenden Entwicklungen Einhalt geboten werden? Welche Anforderungen muss die Politik dabei erfüllen? Über diese Fragen diskutierten Wissenschaftler, Fachpolitiker und Verbraucherschützer Anfang September auf einer Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin.


Zu lange weggeschaut

1,9 Millionen Kinder in Deutschland leiden an Übergewicht, 800.000 davon sind adipös. Nicht nur Folgeerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Gelenkbeschwerden schon in jungen Jahren, sondern auch soziale Ausgrenzung und verminderte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit sind keine Seltenheit. Übergewicht ist nicht mehr nur ein individuelles Problem. Es betrifft die ganze Gesellschaft. Und genau da liegt der Knackpunkt. „ Nicht nur Eltern, sondern auch Ärzte, Lehrer, Erzieher, Werbe- und Lebensmittelindustrie haben zu lange weggeschaut“, sagte Edmund Fröhlich, Geschäftsführer der medinet Spessart-Klinik, die hauptsächlich übergewichtige Kinder versorgt.

Bewegungsmangel, häufiges Computerspielen und Fernsehen sowie falsche Ernährung sind Gründe für Übergewicht und Fettsucht. Aber auch die sozialen Verhältnisse, aus denen die Kinder stammen, spielen eine Rolle. So sind Kinder mit Migrationshintergrund oder aus sozial schwachen Familien besonders gefährdet zu erkranken.

Schule als Lebensraum
Viele Präventionsprojekte setzen in Schulen an. Elisabeth Müller-Heck von der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung in Berlin, betonte, dass Schulen heutzutage nicht nur Institutionen zur Wissensvermittlung seien, sondern immer mehr zum Lebensraum für Kinder würden. Dieser Lebensraum müsse demnach auch möglichst gesundheitsfördernd gestaltet werden. Denn der Bildungsauftrag, so Müller-Heck, umfasse auch den Auftrag, die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen zu fördern. Der Berliner Senat setzt in diesem Fall darauf, Empfehlungen für die Ernährung an Ganztagsschulen und Kindergärten auszusprechen. Verordnungen seien jedoch nicht zweckmäßig, da deren Durchsetzung nicht kontrollierbar sei.

Dies sah der Präsident der Deutschen Adipositas-Gesellschaft, Professor Manfred James Müller kritisch. „Im schulischen Bereich ist die Akzeptanz zur Prävention groß. In den Familien sieht es hingegen eher schlecht aus.“ Müller, dessen Spezialgebiet die Prävention unter Berücksichtigung der sozialen Verhältnisse ist, sprach sich für einen nationalen Aktionsplan aus, der zunächst einen Rahmen aufzeigt, was getan werden kann und muss. Danach soll dann jeder nach seinen Fähigkeiten zur Problemlösung beitragen.

Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel

Bemühungen der Politik, das Kennzeichnen von Lebensmitteln nach dem Vorbild Englands einzuführen und somit mehr Transparenz für den Bürger zu schaffen, scheiterten vorerst am Widerstand der Lebensmittelindustrie. „Das Problem der Kennzeichnungspflicht wird weiter diskuAtiert“, erklärte Mechthild Rawert, SPD-Bundestagsabgeordnete und Mitglied im Ausschuss für Gesundheit sowie Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Sie sei ausdrücklich dafür, ein solch plakatives System einzuführen. Auf diese Weise könne man die Lebensmittelindustrie unter Druck setzen, „ehrliche“ Lebensmittel herzustellen, war sich Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Geschäftsführer der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch, sicher.

Werbeverbot für Lebensmittel

Ein großes Thema auf dem Podium war das Engagement der Werbeindustrie. Die Forderung an die Politik, Werbung für Lebensmittel am Nachmittag gesetzlich zu verbieten, wurde von allen Teilnehmern unterstützt. „Werbung für Lebensmittel, insbesondere für Süßigkeiten, hat im Nachmittagsfernsehen nichts verloren“, forderte Matthias Wolfschmidt. „Außerdem sollten Prominente nicht für Süßigkeiten werben.“

Aus medizinischer Sicht forderte Dr. med Susanne Wiesner, Leiterin der Adipositas-Ambulanz der Berliner Charité, eine Anerkennung von Adipositas als Krankheit. Der bürokratische Aufwand zur Beantragung einer Therapie bei den Krankenkassen sei zu hoch, so Wiesner.

Zum Schluss waren sich alle Teilnehmer einig. Es mache keinen Sinn, den „Schwarzen Peter“ irgendjemandem zuzuschieben. Die Gesellschaft müsse sich mit dem Problem auseinandersetzen und gemeinsam mit der Politik Lösungen finden.

Quelle: www.vorwaerts.de
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