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Alt 17.09.2007, 11:14
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Standard Magersucht: Bereits 10-Jährige sind betroffen

Magersucht: Bereits 10-Jährige sind betroffen

BERN - «Unsere Kinder werden immer dicker», «Jedes fünfte Kind in der Schweiz ist zu dick» - Die Übergewicht-Problematik sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Weit weniger bekannt ist, dass auch die Zahl der magersüchtigen Kinder in den letzten Jahren angestiegen ist. Bereits unter Zehnjährige sind betroffen.

«Es gibt immer mehr jüngere Patienten», bestätigt Erika Toman, Präsidentin des Experten-Netzwerks Essstörungen Schweiz (ENES). Das zeigten Meldungen aus stationären Einrichtungen für Anorexie-Patienten, etwa dem Zürcher Kinderspital oder der Spezialstation des Zürcher Stadtspitals Triemli. Ganz allgemein stellt Toman fest: «Schlankheit wird immer früher zu einem Thema. Immer jüngere Kinder beschäftigen sich mit dem Körper und dem Essen.» Es gebe bereits Kindergärtler oder Schulanfänger, die über eine Diät nachdenken würden oder schon eine hinter sich hätten.

Beunruhigend an dieser Entwicklung ist nicht zuletzt, dass Experten auch die aktuelle Diskussion um Übergewicht bei Kindern mitverantwortlich machen. «Dass sich Kinder so früh mit dem Thema beschäftigen, hängt auch damit zusammen, dass so viel informiert wird», ist Toman überzeugt. Die Vorstellung, durch vermehrte Information der Kinder ihr Essverhalten zu verbessern, habe sich nicht bewahrheitet. Die Kinder wüssten zwar mehr darüber, was «gesund» sei, doch beeinflusse dieses Wissen ihr Handeln nicht in der erwünschten Richtung. Es brauche vielmehr einen handlungsorientierten Ansatz. Eltern rät die Psychologin, das Essen nicht zu stark zu thematisieren. Also nicht dauernd darüber zu reden, wie ungesund Schokolade ist, sondern einfach weniger Schokolade aufzutischen. Denn, so Toman: «Die Hungersättigung funktioniert eigentlich von Geburt an, genau wie das Bedürfnis nach Schlaf. Und übers Schlafen muss man auch nicht diskutieren, sondern ohne viele Worte einen Rahmen schaffen, der einen gesunden Schlaf-Wach-Rhythmus ermöglicht.»

Essstörungen im engeren Sinn sind aber auch stets Ausdruck einer gestörten Beziehung - zur Familie, zu Gleichaltrigen und/oder zu sich selbst. Während bei der Magersucht (Anorexie) das Bedürfnis nach einer inneren und äusseren Abgrenzung und Autonomie im Vordergrund steht, ist die Ess-Brechsucht (Bulimie) ein Zeichen der Überforderung und mangelnder Selbstschätzung.

Auch Barbara Rost, leitende Ärztin an der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Universitätsklinik Basel, bestätigt, dass sich das Erkrankungsalter in den letzten Jahrzehnten tendenziell nach unten verschoben habe, auch wenn ganz junge Kinder mit Anorexie die Ausnahme blieben. Wichtig sei, dass Eltern möglichst früh Rat und Hilfe suchten. Um die Heilungschancen zu erhöhen, sollte die Familie in der Therapie wenn möglich miteinbezogen werden. Zudem stuft Rost bei frühem Krankheitsbeginn die Heilungschancen grundsätzlich höher ein. Allerdings erfolge bei akuter Anorexie im Kindesalter die Gewichtsabnahme häufig sehr rasch, was gefährliche Folgen betreffend Stoffwechsel und Kreislauf haben könne.

Die Therapiemöglichkeiten für Kinder mit Essstörungen bezeichnet Toman in den Ballungszentren als recht gut, obwohl auch hier stationäre Behandlungsmöglichkeiten teilweise fehlten. Problematisch werde es aber in der Peripherie. Dort ortet die ENES-Präsidentin Handlungsbedarf wie überhaupt im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie, der in der Schweiz eher schlecht abgedeckt sei.

Quelle: www.zisch.ch
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