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Alt 14.10.2007, 20:33
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Standard Essstörungen beginnen im Säuglingsalter

Essstörungen beginnen im Säuglingsalter
Unsichere Bindungen nach dem Motto "Der Papa hat dich nur lieb, wenn du aufisst" prädestinieren zu Essstörungen.

Schon seit einiger Zeit weiß man, dass eine sichere emotionale Bindung eines Säuglings an seine Hauptbezugsperson, also meist Mutter oder Vater, entscheidend für eine positive geistige und körperliche Entwicklung eines Kindes ist. Fehlt eine solche Bindungssicherheit, können damit bereits im Säuglingsalter Essstörungen, wie Magersucht oder Übergewicht, grundgelegt werden. "Unsichere Bindungen prädestinieren zu Essstörungen", erklärte Karl Heinz Brisch von der Uni München am Freitag bei einer von der Kinderklinik Glanzing organisierten Tagung in der Gesellschaft der Ärzte zum Thema "Bindung und die Psychosomatik des Essens - vom Säugling bis zum Jugendlichen" in Wien.

Für eine sichere Bindungsentwicklung eines Säuglings sind feinfühlige Kontakte, emotionale Verfügbarkeit, Blickkontakte und Berührungen der Mutter oder des Vaters eine Grundvoraussetzung. Zu den häufig wiederkehrenden Situationen, bei denen ein Kleinkind diese Erfahrungen machen kann, gehören das Stillen und Füttern bzw. später das Essen im familiären Umfeld. "Verhält sich die Bezugsperson in solchen Situationen nicht feinfühlig, emotional abwesend oder sogar grob über- oder unterstimulierend mit dem Säugling, fördert dies eine unsichere Bindung und prädestiniert gleichzeitig zu Essstörungen", betonte Brisch, der am Haunerschen Kinderspital der Uni München die Abteilung für Pädiatrische Psychosomatik und Psychotherapie leitet.
Angst

Verschärft werden kann dies, wenn Ess-Situationen dem Kind Angst machen und das Kind dann bei der Bezugsperson keine Sicherheit finden kann. Etwa wenn die Eltern das Kind während des Fütterns bzw. Essens vielleicht auch noch beschimpfen, bestrafen oder mit Bindungsentzug drohen - nach dem Motto: "Die Mama hat dich nur lieb, wenn du aufisst", so der Experte. Auch wenn die Bezugsperson unverarbeitete Traumata aus ihrer Kindheit mitbringt, wie etwa eigene Erfahrungen mit Magersucht, bestehe die Gefahr, dass sich diese bei dem Kind wiederholen. Als eine der ersten Kinderabteilungen in Europa wird an der Kinderklinik Glanzing im Wiener Wilhelminenspital die Videodiagnostik für die Interaktion zwischen Mutter und Säugling von der Psychologin und Psychotherapeutin Christine Sonn-Rankl eingesetzt.

Brisch hat schon früher nachgewiesen, dass die Bindungsentwicklung bei Frühgeborenen mit medizinischen Risikofaktoren wie Hirnblutung, Sauerstoffabfall, Krampfanfälle, etc. zusammenhängt. Doch bei Frühchen standen bis vor gar nicht so langer Zeit die medizinischen Probleme, wie die maschinelle Beatmung, im Vordergrund, nicht so sehr der direkte Kontakt mit den Eltern und damit die Bindungsanbahnung. "Heute bemühen wir uns um eine ganzheitliche Betreuungsqualität der kleinen Patienten", betonte Helene Siklossy, Psychologin an der Kinderklinik Glanzing, mit 175 Betten in 14 Stationen mittlerweile eine der größten Kinderabteilungen in Österreich.
Eltern-Kind-Interaktion

Den Eltern von Frühgeborenen, die oft den Eindruck hätten, sie könnten nicht viel für ihr Baby tun, werde vermittelt, dass es eine spezielle Qualität der Eltern-Kind-Interaktion gebe, die von Schwestern und anderem Personal nicht ersetzt werden könne. Deshalb werde der Haut-zu-Haut-Kontakt und die Aktivierung aller Sinneswahrnehmungen, etwa durch die Känguru-Methode, bei der das Frühchen bei vollständiger medizinischer Überwachung und Betreuung auf der Mutter liegen kann, gefördert. Auch die Fütterung der Frühgeborenen mittels Sonde direkt an der Brust der Mutter ermöglicht den Kindern, dass sie die Mutter bei der Ernährung riechen, schmecken und tasten können, was den Aufbau einer Bindung ermöglicht.

Quelle: www.kurier.at
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