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Alt 24.10.2007, 13:12
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Standard Programm gegen fettleibige Kinder

In Großbritannien könnten Eltern demnächst offizielle Warnschreiben von den Behörden erhalten, wenn ihr fünfjähriges Kind übergewichtig ist.
Die Benachrichtigung sei Teil eines nationalen Programms gegen Fettleibigkeit bei Kindern, berichteten britische Medien am Montag. Das Gesundheitsministerium bestätigte die Überlegungen, fix sei die Maßnahme aber noch nicht.

Derzeit freiwillig
Bereits vor zwei Jahren wurde das routinemäßige Wiegen von fünf- und zehnjährigen Schulkinder in England und Wales eingeführt. Eltern konnten die Ergebnisse anfordern, automatisch benachrichtigt wurden sie aber nicht.

Die Behörden lehnten das damals ab, weil sie einen Boykott der Aktion befürchteten. Das wiederum hätte die Intention der Maßnahme - das Sammeln von Daten für weitere Prognosen - torpediert, berichtet die "Times". Nun will das britische Gesundheitsministerium aber noch mehr gegen krankhaftes Übergewicht tun.

Beschlossen ist bereits, dass die Eltern ab nächstem Jahr aufgefordert werden, die Daten ihrer Kinder anzufordern. Zudem sollen sie auf eine neue Website gelotst werden, die Informationen über Ernährung und Idealgewichte zur Verfügung stellt.

Alarmierende Studie
In Großbritannien gilt ein Fünftel bis ein Drittel aller Kinder als übergewichtig, der Regierungs-Thinktank Foresight hatte zuletzt alarmierende Prognosen veröffentlicht.

Ohne weitreichende und rasche Maßnahmen würden demnach im Jahr 2050 60 Prozent aller Männer und die Hälfte aller Frauen in Großbritannien schwer übergewichtig sein. Die Fälle von Diabetes Typ zwei würden sich um 70 Prozent steigern, Schlaganfälle würden um 30 Prozent, koronare Herzerkrankungen um 20 Prozent häufiger vorkommen.

Weiterreichende Maßnahmen gefordert
Tam Fry vom Nationalen Forum für Fettleibigkeit begrüßte die Pläne des Gesundheitsministeriums. Schließlich hätten die Eltern die Hauptverantwortung für das Aufwachsen ihrer Kinder und müssten wissen, welcher Gewichtsbereich noch gesund ist. Zudem forderte er gegenüber der BBC aber, dass bereits bei jüngeren Kindern Maßnahmen wie Gesundheitserziehung zu treffen seien.

Sein Kollege Colin Waine schlägt im "Guardian" zudem vor, Kinder ab dem ersten Geburtstag jährlich zu wiegen. Nur dann könnten die frühen Anzeichen von Fettsucht schon vor dem Schulalter erkannt werden.

Stigmatisierung der falsche Weg
Doch auch Kritik wurde laut: Terry Dovey, ein auf Kinderfettleibigkeit spezialisierter Psychologie der Universität Staffordshire, meinte gegenüber der BBC, eine Stigmatisierung von dicken Kindern und deren Eltern sei nicht der richtige Weg. Den größten Erfolg erziele man damit, indem darauf aufmerksam gemacht wird, was und wie viel gegessen wird.

Gesundes Schulessen in Schottland
Einen eigenen Weg geht indes Schottland: In einem Pilotprojekt werden an einigen Schulen kostenlos gesunde Mahlzeiten an Kinder in den ersten drei Schuljahren ausgegeben. Bewährt sich das Programm in einem halben Jahr, soll es landesweit angeboten werden - mit Kosten von immerhin 46 Millionen Pfund (66 Millionen Euro), berichtet der "Guardian".

Die Kinder haben die Möglichkeit, gemeinsam mit ihren Freunden jeden Tag zu essen und gemeinsam Geschmack an gesundem Essen zu finden. "Wir hoffen, dass sie sich den Lebensstil angewöhnen und ihn auch in den folgenden Jahren beibehalten", sagte der schottische Minister für Kinder, Adam Ingram.

Gesundheitsexperten sehen gesundes Schulessen als einen wesentlichen Angelpunkt im Kampf gegen ungesunde Ernähung. In Großbritannien engagiert sich auch der junge Starkoch Jamie Oliver für richtige Ernährung in den Schulen.

Problem in ganz Europa
Fettleibigkeit bei Kindern ist bei weitem nicht nur ein britisches Phänomen: Rund 22 Millionen Kinder in der EU leiden an Übergewicht, jedes Jahr steigt die Zahl Studien zufolge um weitere 400.000.

Auch deutsche Experten schlugen kürzlich Alarm: Von den drei- bis 17-Jährigen seien rund 15 Prozent übergewichtig und etwa sechs Prozent fettsüchtig - Tendenz stark steigend. Zwei Drittel der fettsüchtigen Kinder hätten nach einer Analyse niemals gemeinsam im Familienkreis am Tisch gegessen.

Quelle: http://orf.at
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