"Mädchenkrankheit ist peinlich"
Essgestörte Jungen zögern Behandlung weit hinaus
An
Magersucht leiden zunehmend auch Jungen und junge Männer, doch wird dies oft erst zu spät vom Umfeld bemerkt. "Sie kommen erst zur
Behandlung, wenn der Grad der
gesundheitlichen Störungen sehr weit fortgeschritten ist, wenn fast nur noch
stationäre Behandlung hilft", sagte Birgit Mauler, leitende Psychologin der auch auf
Essstörungen spezialisierten Christoph-Dornier-Klinik in Münster der dpa.
Einer der Gründe sei, dass Mediziner
Magersucht oder
Bulimie bei Jungen oft erst zu spät feststellen. "Sie erklären sich die
Gewichtsabnahme mit
Wachstumsschüben und kommen nicht drauf, dass es ein
Schlankheitswahn ist", sagte Mauler. Die Betroffenen schieben die Suche nach Hilfe selbst hinaus, weil "die
Mädchenkrankheit" ihnen peinlich ist. Die Klinik in Münster hat sich unter anderem auf
Essstörungen spezialisiert und behandelt bereits seit Jahren
essgestörte Mädchen. Nach einer im Juni vorgestellten Studie aus Jena leidet inzwischen jede dritte Schülerin an Frühformen von
Essstörungen.
Vor allem in den Sommermonaten, wenn Badeanzüge und leichte Kleidung Saison haben, wirkt sich das
Schönheitsideal als Schlankheitsdruck auf die Jugendlichen aus. "Die Mädchen wollen schmale Taillen und kleine Brüste, die Jungen schlank und muskulös sein", sagt Mauler.
Auf dem Weg vom
Bier- zum Waschbrettbauch verlieren dabei zunehmend auch junge Männer die Kontrolle über ihre
Diäten. "Fatal ist, dass in der Anfangsphase der
Gewichtsabnahme alle anderen sich lobend äußern", gibt Mauler zu bedenken. Vielfach förderten Eltern sogar zunächst den schädlichen
Körperkult ihrer Kinder. In ambulanter und bei schweren Fällen
stationärer Behandlung mühten sich die
Psychologen dann, wieder ein normales
Körpergefühl zu vermitteln.
Quelle :
www.3sat.de