Immer mehr essgestörte Männer
Mehr als 200.000 Österreicher haben eine Essstörung. Die Hauptbetroffenen sind Mädchen und Frauen. Aber auch immer mehr junge Männer leiden darunter.
Sie
hungern bis zum Umfallen, trainieren bis zum Zusammenbruch oder stopfen sich voll bis zum
Erbrechen: Ob
Magersucht (Anorexia nervosa), Ess-Brechsucht (Bulimia nervosa) oder Heißhungeranfälle (Binge eating disorder, meist in Verbindung mit
Übergewicht oder
Adipositas) -
Essstörungen nehmen zu, vor allem bei sehr jungen Menschen.
Dass es auch junge Männer treffen kann, ist relativ neu. "Für junge Burschen bedeutet das
Dünn- und Durchtrainiert-sein auch Erfolgreichsein. Das gesamte Wohlfühlen wird quasi nach außen verlegt. Viele haben die Genussfähigkeit in ihrer Kindheit nicht erlernt", sagt Michael Merl,
Psychiater in der Landes-Kinder- und Frauenklinik in Linz.
Schneller Kalorienverbrauch
"Genießen braucht Zeit. Wir aber leben in der Spaß- und Actiongesellschaft. Alles muss schnell gehen. Genuss wird immer mehr mit Leistung verbunden - schnell snowboarden gehen, schnell ins Fitness-Studio, schnell
Kalorien verbrennen usw.", sagt Merl.
"Meiner Vermutung nach haben viele Menschen, die exzessiv in Fitness-Studios trainieren, eine latente Essstörung", sagt Merl. Diese Form, die oft Männer trifft, nennt sich "
Anorexia athletica". Die
Erkrankten versuchen durch übermäßigen Sport und den damit verbundenen
Kalorienverbrauch, an
Gewicht zu verlieren. Diese Störung ist als Sport-Sucht bekannt. Als eigenständiges
Krankheitsbild ist sie nicht anerkannt.
Eine neue Form der
Essstörung ist die Orthorexia nervosa (griechisch: orthos = richtig, orexis = Appetit) - der
krankhafte Zwang, sich gesund zu ernähren. Sie entsteht aus der ständigen Sorge um die eigene
Gesundheit. Die
Betroffenen denken täglich mehrere Stunden an
gesundes Essen. Die Anzahl der konsumierten
Nahrungsmittel sinkt. Der
gesundheitliche Wert der
Speisen wird wichtiger als das Vergnügen.
Teilweise versuchen Personen, die an
Orthorexia nervosa leiden, auch ihre Mitmenschen zu missionieren, und können nicht mehr mitansehen, wie die Umgebung ungesunde
Nahrung zu sich nimmt. Es kommt zu einem Rückzug aus dem Sozialleben. [b]
Quelle :
www.nachrichten.at