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Alt 16.05.2007, 01:53
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Standard Auch Männer sind ihm verfallen:...Schönheitswahn

Auch Männer sind ihm verfallen:

...dem mediengesteuerten Schönheitswahn.


Körpergröße und Gewicht, Haut, Haare, Muskeln, Penislänge beschäftigen mittlerweile viele Männer über ein gesundes Maß an Körperbewußtsein hinaus. Werbung und Film propagieren eine durchtrainierte, muskelbepackte Idealfigur, die ohne Spritzen und Pillen eigentlich gar nicht zu erreichen ist, der Waschbrettbauch gilt als Symbol für sozialen, beruflichen und sexuellen Erfolg.
Zusätzlich sorgte die weibliche Emanzipation für die Erschütterung des männlichen Selbstwertgefühls. Selbst im Berufsleben gibt es kaum mehr Männerdomänen - wie also Männlichkeit beweisen? Statt länger nur klug sein zu wollen, stylen Männer kräftig an sich herum, verbringen mehr Zeit im Fitneßstudio als mit der Partnerin, halten sich an restriktive Diäten, entwickeln Eßstörungen, schlucken Anabolika, um den Muskelaufbau zu beschleunigen.


Kein richtiger Mann mehr?

Bierbauch, untrainierte Muskeln und schmaler Körperbau vermitteln nicht das Bild eines "richtigen“ Mannes. Breite Schultern und Waschbrettbauch dagegen symbolisieren Fitness und Gesundheit, sozialen, beruflichen und sexuellen Erfolg, demonstrieren männliche Stärke: ein kaum erreichbares Schönheitsideal. Die Folgen der Orientierung am perfekten männlichen Körper sind unterschiedlich: Während sich die einen Muskelberge antrainieren, hungern andere ihr Gewicht krankhaft herunter.

Barbara Mangweth von der Universitäts-Klinik für Psychiatrie in Innsbruck beschreibt, wie der Körperkult zur Neurose wird: "Das sind Bodybuilder, die aber das Gefühl haben, dass sie klein und schmächtig sind und ganz großen Stress und psychische Belastung erleben aufgrund dieser gestörten Körperwahrnehmung, exzessiven Sport betreiben, exzessiv viel essen, um ihrem Ziel entgegen zu kommen, nämlich zuzunehmen und noch muskulöser zu werden. Die verändern ihre Umwelt und ihr soziales Leben insofern, dass sie ihr gesamtes Leben auf das Ziel, noch muskulöser zu werden, ausrichten."

Mangweth erforscht seit Jahren die Einstellung von Männern zu ihrem Körper, zum Essen und zur Sexualität. Ein Körperbild-Test zeigte, dass sowohl Bodybuilder als auch Magersüchtige ein völlig falsches Selbstbild entwickelt haben. Überschlanke Männer fühlen sich trotz geringen Gewichts zu dick, gut Trainierte haben Angst, zu wenig muskulös zu sein. Beide Gruppen leiden an Depressionen und anderen psychischen Störungen wie Panik-Attacken. Nur gegenüber Frauen konnten die Befragten zugeben, dass sie sich dem optischen "Leistungsdruck" nicht mehr gewachsen fühlen.
Zwanghaftes Training

Das Buch "Der Adonis-Komplex" stellt die Behauptung auf, dass Männer heutzutage mit ihrer Figur unzufriedener sind als Frauen. Der Psychotherapeut und Co-Autor Dr. Roberto Olivardia beruhigt jedoch: "Trainieren selbst ist natürlich nicht falsch."
Männer, die ihr Selbstwertgefühl aussschließlich über ihr Erscheinungsbild definieren und mit ihrem Trainingsprogramm das Berufs- und Privatleben gefährden, könnten an einer Körperwahrnehmungsstörung leiden, warnt Olivardia. Fasten, Entwässern oder Steroide schlucken seien eindeutige Warnzeichen, dass das Streben nach Muskeln zu exzessiv geworden sei.

In diesem bahnbrechenden Buch befassen sich erstmals führende Wissenschaftler mit den physischen wie psychischen Auswirkungen dieser Körperfixierung und geben therapeutische Ratschläge. Die Autoren haben Tests zur Überprüfung der eigenen Körpereinstellung entwickelt, sie entlarven Mythen über Steroide und zeigen anhand zahlreicher Fallbeispiele, welche Auswirkungen der Adonis-Komplex auf Partnerschaft, Sexualleben, Selbstwertgefühl und berufliche Situation haben kann. Indem sie über falsche Botschaften und Ideale aufklären, sorgen sie zugleich dafür, daß das für Männer in solchen Fragen geltende Tabu, »darüber spricht man›n‹ nicht«, aufgehoben wird.


Zwanghafte Eitelkeit

Kritik am Aussehen ist für Männer neu. Frauen müssen sich dagegen schon seit Jahrzehnten mit den Bildern von unerreichbaren Schönheiten in Magazinen, Werbung, Filmen und Fernsehen auseinandersetzen. Psychologen glauben, dass dies unter anderem zum steilen Anstieg der Essstörungen beigetragen hat.Fitness-Magazine für Männer boomen und zeigen ihren Lesern Modelle, die aus einer Werbung von Calvin Klein stammen könnten. Dem Selbstvertrauen der Männer könnte dies einen gehörigen Knacks versetzen.

Allein in Großbritannien seien schon zehn Prozent der Männer von Anorexie und Bulimie betroffen, berichtet Steve Bloomfield von der Eating Disorders Association (EDA) - und die Zahlen klettern. Er vermutet: "Die Ursachen sind bei Frauen und Männern die gleichen, nämlich persönliche Krisen, Depressionen und sozialer Druck seitens der Medien." Mit der Sorge um das eigene körperliche Aussehen stiegen auch die Fälle von Essstörungen.

Während Frauen hungern (Anorexie) oder mittels Erbrechen oder Abführmittel schlank zu werden versuchen (Bulimie), trainieren Männer, um einen idealen Muskelaufbau zu erreichen, erklärt Bloomfield: "Sie haben einen Waschbrettbauch und sind trotzdem magersüchtig."


Leseprobe

Vorwort
Unter den Männern und Jugendlichen von heute greift eine Krise um sich - eine Krise,
die nur bisher wenige Menschen bemerkt haben. Männer aller Altersgruppen sind in nie
dagewesener Zahl völlig vom Aussehen ihres Körpers in Anspruch genommen. Fast nie
sprechen sie offen über dieses Problem, weil sie in unseren westlichen Gesellschaften
gelernt haben, daß sie keine Komplexe wegen ihres Aussehens haben sollten. Aber unter
der ruhigen Oberfläche erkennen wir überall Anzeichen dieser Krise. Millionen von
Männern opfern wichtige Dinge in ihrem Leben, um in der Hoffnung auf eine breitere
Brust oder einen flacheren Bauch zwanghaft in Fitneßstudios zu trainieren.
Männer und auch schon Jugendliche kaufen »muskelaufbauende«
Nahrungsergänzungsmittel und Diäthilfen im Wert von Milliarden von D-Mark oder
Dollar. Etwa drei Millionen Männer in den USA nehmen Anabolika und andere
gefährliche Schwarzmarktdrogen ein, um ihren Körper aufzubauen. Eine etwa gleich
große, noch weniger bekannte Gruppe hat Eßstörungen entwickelt - zwanghafte
Freßattacken, Diäten und Rituale -, von denen mitunter nicht einmal die Freundinnen
oder Ehefrauen etwas wissen.

Mindestens eine weitere Million Männer leiden an einer Körperdysmorphen Störung,
einer exzessiven Fixierung auf angebliche Mängel des äußeren Erscheinungsbildes. Sie
machen sich beispielsweise Sorgen darüber, daß ihr Haar schütter wird, ihre Brust zu
schwabbelig oder ihr Penis zu klein ist. Jedes Jahr suchen Hunderttausende Männer
Hilfe bei Schönheitschirurgen und lassen Eingriffe vornehmen von der
Haartransplantation bis zur Fettabsaugung. Sie geben Milliarden für Mittel aus, die ihre
Haut glatter machen oder ihr Aussehen anderweitig verbessern sollen. Anders als
gesunde Männer und Jugendliche hegen sie eine völlig unrealistische Vorstellung davon,
wie sie aussehen sollten - und so nehmen sie Zuflucht zu Arzneimittelmißbrauch sowie
exzessivem Training und geben Unsummen für Produkte aus, die häufig völlig wertlos
sind.

Diese verschiedenen Zwangsvorstellungen bilden das, was wir den »Adonis-Komplex«
nennen. Es handelt sich dabei um ein Problem, das selbst Jugendliche und Kinder
betrifft. Aktuelle Studien haben gezeigt, daß bereits in der Grundschule viele Jungen mit
ihrem Körper unzufrieden sind und deshalb ihre Selbstachtung verlieren oder sogar in
Depressionen verfallen. Manche von ihnen gehen in der Pubertät dazu über, Anabolika
zu nehmen, entwickeln Eßstörungen oder andere psychiatrische Krankheitsbilder, die
mit einem gestörten Körperbild' einhergehen. Eltern, Lehrer und Trainer sind sich häufig
dieser Probleme nicht bewußt, weil Jugendliche ebensowenig wie erwachsene Männer
spontan über Sorgen reden, die ihr Aussehen betreffen. In unserer Gesellschaft erwartet
man von »richtigen Jungs«, daß sie sich über solche Sachen keine Gedanken machen.
Eltern fragen nicht danach, und Jungen reden nicht darüber.

Warum werden Störungen in der Wahrnehmung des körperlichen Erscheinungsbildes
bei Männern so selten erkannt? Eine Antwort lautet, daß sowohl Wissenschaftler als
auch die Presse jahrzehntelang der Ansicht waren, Körperbildprobleme und Eßstörungen
seien Frauenkrankheiten. Männer wurden übersehen. Ein anderer Aspekt ist, daß
Männer mit solchen Fixierungen ihre Probleme häufig nicht preisgeben, aus Furcht, als
verweichlicht, unmännlich oder schwul zu gelten. Ein weiterer Grund ist, daß die
Körperbild-Krise bei Männern neu ist. Erst in den letzten zwanzig Jahren verzeichnen
wir einen rapiden Anstieg bei zwanghaftem Training, bei steil in die Höhe schießenden
Raten von Anabolikamißbrauch, explodierendem Verkauf von
Nahrungsergänzungsmitteln, kosmetischen Behandlungen bei Männern und dem
Entstehen Dutzender Zeitschriften, die sich der männlichen Fitneß oder Gesundheit
widmen. In diesem Buch werden wir darüber diskutieren, wie und warum es zu diesen
dramatischen Veränderungen kommen konnte.

Lange Zeit erkannten nicht einmal wir als Wissenschaftler das Ausmaß dieser neuen
Besessenheit vom eigenen Erscheinungsbild. Erst als wir auf immer mehr Patienten
trafen, die unter diesen Symptomen litten, wurden wir uns dessen allmählich bewußt.
Keiner von uns dreien hatte zunächst vor, sich in seiner Forschung auf das Körperbild
des Mannes zu konzentrieren. Jahrelang hatten wir Eßstörungen erforscht - aber diese
Arbeit richtete sich zunächst nur auf die Zielgruppe Frauen. Wir veröffentlichten
zahlreiche Studien über Anabolikamißbrauch, aber am Anfang war uns nicht klar, wie
eng diese Form des Arzneimittelkonsums mit Problemen des Körperbildes verbunden
war. Wir haben viel über die Körperdysmorphe Störung veröffentlicht, um die
Aufmerksamkeit der Fachwelt und der Öffentlichkeit auf diese Störung zu lenken.
Katharine A. Phillips schrieb das einzige wissenschaftliche Buch über dieses Thema,
›The Broken Mirror: Understanding and Treating Body Dysmorphic Disorder‹.
Allmählich wurde uns klar, daß diese Probleme nicht nur Frauen, sondern auch Männer
betrafen - Männer, die trainingssüchtig waren, Männer, die Freßorgien veranstalteten
und sich erbrachen, Männer, die von der Beschäftigung mit ihrem Haar, ihrer Haut oder
anderen Körperzonen völlig beherrscht wurden. Wir sahen Männer und sogar Vierzehnoder
Fünfzehnjährige, die hohe Dosen von Anabolika und anderen körperformenden
Präparaten einnahmen. Aus dem Gespräch mit ihnen erfuhren wir, wie ihr Leben aussah.
So setzten sich die Teile dieses Puzzles zusammen. Der gemeinsame rote Faden war eine
krankhaft übersteigerte, streng geheimgehaltene Sorge um das eigene Aussehen. Als uns
bewußt wurde, daß diese Probleme bei Männern lange Zeit völlig unbeachtet geblieben
waren, konzentrierten wir uns in unserer jeweiligen Forschung stärker auf Männer.

Da unsere Untersuchungen sich ergänzten, begannen wir bei unseren Studien an
Männern mit verschiedenen Körperbildproblemen zusammenzuarbeiten. Eines davon ist
die Muskeldysmorphie, ein neues Syndrom, bei dem Jugendliche und Männer glauben,
nicht muskulös genug zu sein. Sie wissen nicht mehr, wie sie wirklich aussehen. Wenn
sie in den Spiegel schauen, glauben sie, klein und schwächlich zu sein, selbst wenn sie
tatsächlich muskulös sind - eine Art umgekehrter Magersucht.
Die Presse begann Notiz von unseren Forschungen zu nehmen. Als wir beispielsweise
über Muskeldysmorphie schrieben, stellten wir sehr überrascht fest, wie viele
Journalisten mit uns ein Interview über dieses Syndrom führen wollten. Unsere
Forschung über andere Aspekte des Adonis-Komplexes rief ähnliche Reaktionen hervor.
Offensichtlich hatten wir einen Nerv getroffen. Die Öffentlichkeit - und wir mit ihr - war
endlich auf eine ernste Bedrohung der Gesundheit von erwachsenen Männern und
Jugendlichen aufmerksam geworden, eine Bedrohung, die ebenso gefährlich war wie
Magersucht und Bulimie (Eß-Brech-Sucht) für Frauen und Mädchen.

Daher beschlossen wir, aus dem Elfenbeinturm herauszukommen und unser Wissen in
einem populärwissenschaftlichen Buch zusammenzutragen. Wir wollen diesen Männern
und den Menschen, die sie lieben - Frauen, Eltern heranwachsender Jungen, Partner
schwuler Männer-, sagen, daß sie nicht länger alleine leiden müssen, daß der
Adonis-Komplex Millionen von Männern betrifft. Dieses Problem ist unserer Meinung
nach durch das Zusammenwirken von biologischen und psychologischen Kräften mit
den sehr überzeugenden, aber unrealistischen Botschaften der modernen Gesellschaft
und der Massenmedien entstanden, in denen ein immer noch muskulöseres, immer noch
fitteres und oft unerreichbares Ideal des männlichen Körpers vermittelt wird.
Wir stellen nicht in Frage, daß es für Jugendliche und Männer gut ist zu trainieren, sich
gesund zu ernähren, auf ihre Kleidung zu achten und so gut wie möglich aussehen zu
wollen. Aber der Drang, über das hinauszugehen, was gesund und vernünftig ist, kann
verheerende Auswirkungen auf die emotionale und physische Entwicklung
heranwachsender Männer und auf das Wohlbefinden von Männern jeden Alters haben.
Mit diesem Buch wollen wir auf die Konsequenzen des Adonis-Komplexes aufmerksam
machen, bevor es zu spät ist.

In den einleitenden Kapiteln legen wir die große Spannbreite des Problems und seine
Wurzeln dar. Wir stellen zwei neue Tests vor, die der Leser benutzen kann, um
festzustellen, ob er am Adonis-Komplex leidet. Wir beschreiben verschiedene
Ausformungen des Körperbildproblems in ihrer jeweils milderen und schwereren Form,
indem wir die Geschichten vieler Männer mit diesen Symptomen schildern. Dann
behandeln wir Aspekte des Adonis-Komplexes, die besonders für Eltern, Frauen und
homosexuelle Männer von Bedeutung sind. Zu guter Letzt machen wir Vorschläge, wie
man mit dem Adonis-Komplex und seinen Fixierungen, der mangelnden Selbstachtung
und dem Schamgefühl, die er hervorrufen kann, fertig wird.

Quelle : www.sebulba.de
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