Ess-Störungen: Zahl der Männer steigt
Oberkärntner ist federführend bei bundesweiter Aktion gegen gesundheitsgefährdendes
Ess-Verhalten. Der Anteil an
essgestörten Männern steigt ständig.
Ess-Störungen betreffen nur
Models und ein paar verrückte Teenager - das bekommt Sozialforscher Bernhard Wappis oft zu hören. Wenn es doch nur so wäre! "In Wirklichkeit leidet ein Prozent der Bevölkerung an
Magersucht (die in 15 bis 20 Prozent der Fälle langfristig tödlich endet), zwei bis vier Prozent an
Bulimie und bis zu sechs Prozent am so genannten binge eating - und sie alle in einem behandlungsbedürftigen Ausmaß."
"
Binge eating". Die jüngste Variante im Kreis der
Ess-Störungen sind
Ess-Attacken, bei denen Unmengen von
Nahrung zu sich genommen werden, ohne dass sie - wie bei der
Bulimie - wieder von sich gegeben werden. Anders als bei den übrigen
Ess-Krankheiten sind vom
binge eating zu einem Drittel auch Männer betroffen.
15.000 Kärntner. Die kleinen Prozentzahlen addieren sich zu beunruhigenden Mengen. So sind in Kärnten 15.000 Menschen mehr oder weniger stark von
Ess-Störungen betroffen, in Österreich 200.000.
Hungernde Seele. Der Oberkärntner Wappis, der sich schon als Erforscher von
Männerproblemen einen Namen gemacht hat, zeichnet seit Kurzem verantwortlich für die bundesweite Kampagne
"Ess-Störungen - Wenn die Seele
hungert. Man verliert mehr als nur ein paar
Kilo". Wappis: "Unser Ziel ist es, bei
Betroffenen und
Angehörigen Aufklärung und Sensibilität für das Thema zu schaffen. Viele Menschen verbergen ihre
Ess-Störungen vor andern und gestehen sie sich auch selbst nicht ein. Diese Einsicht ist aber die erste Voraussetzung für eine Besserung."
Einstiegsdroge für
Essstörungen sind
Diäten. "Jemand will zwei, drei
Kilo abnehmen, das geht leicht, es gibt Anerkennung. Dann wird das Limit immer weiter heruntergesetzt. Da kann rasch ein Schalter umkippen und den Anfang einer
Sucht darstellen."
Ess-Störungen. Damit nicht genug: Die Kampagne muss sich bereits an Jugendliche ab zehn Jahren wenden, da
Ess-Störungen immer früher auftreten. Nicht selten glauben schon Volksschülerinnen, sie wiegen zu viel.
Vorbeuge-Aspekt. Im Schnitt dauert die
Therapie eines Erwachsenen etwas länger als zwei Jahre; deutliche Erfolge beim Ess-Verhalten und Lebensgefühl stellen sich in der Regel erst nach einer dreijährigen Therapie ein. Einfacher ist es, einen Vorbeuge-Aspekt zu beachten: "Das
Selbstwertgefühl der Kinder verbessern, indem man ihre Talente fördert."
Quelle :
www.kleine.at