Hungern für die schlanke Linie
Essgestörte Männer können ebenso wie Frauen unter einer Störung der Körperwahrnehmung leiden. Selbst Kinder bleiben vom verzerrten Körperbild nicht verschont.
Negative Wahrnehmung des eigenen Körpers
Männer wie Frauen messen sich an
Körperidealen. Schick ist, wer wenig
Fett und mehr
Muskelmasse besitzt. Je ferner Mann sich dieser
Idealvorstellung wähnt, desto ausgeprägter ist die Unzufriedenheit mit dem eigenen
Körper und damit die Gefahr, an einer
Essstörung zu
erkranken. Unabhängig von Alter und Geschlecht ist eine
negative Bewertung des Körpers ein zentraler Bestandteil von
Essstörungen.
"Bei
essgestörten Männern bezieht sich die
Körperzufriedenheit, anders als bei Frauen, nicht nur auf das
Schlanksein, sondern auch auf die
Muskularität. Ein
schlanker, muskulöser Körper symbolisiert Kompetenz, Disziplin, Kontrolle und sexuelle Attraktivität", erklärt Silvia Uhle, Leitende Psychologin der auf
Essstörungen spezialisierten Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie in Münster.
Hohes Ideal mit Folgen
Fast jeder zehnte
Essgestörte ist männlich, etwa 15 Prozent der elf- bis 17-jährigen Jungen gelten laut Robert-Koch-Institut als auffällig. Häufig verbergen sich hinter der
Erkrankung Schwierigkeiten mit der Identität als Mann und dem männlichen Rollenverständnis. Faktoren wie sexuelle Ängste, konfliktbehaftete sexuelle Orientierungen, aber auch hohe
körperliche Anforderungen wie Leistungssport kommen hinzu.
Auch die vermehrte Auseinandersetzung mit
Übergewicht zählt zu den Risikofaktoren. In der Pubertät beginnen sich Jugendliche an dem gängigen
Schönheitsideal zu messen. Wer sich zu
dick findet, gerät in einen Konflikt. Im Kampf um Attraktivität beginnen einige exzessiv Sport zu treiben und schlittern von einer
Diät in die nächste - die
Essstörung nimmt ihren Anfang.
Eigenwahrnehmung verändern
Da der
Körper für
Essgestörte ein Spiegel ihres
Selbstwertes ist, ist die
Körperbildarbeit ein zentraler Bestandteil der Behandlung. "Mit Hilfe der
Körperbildtherapie lernen
essgestörte Patienten sich - in ihrer "Unperfektheit" - zu akzeptieren und ein vom
Körper unabhängiges
Selbstwertgefühl aufzubauen", erklärt Silvia Uhle.
Ziel der Behandlung ist die Trennung von
Nahrung und seelischem Empfinden und die Aufarbeitung der seelischen Konflikte, die der
Erkrankung zugrunde liegen. Dabei gilt: Je früher die
Behandlung beginnt, desto besser sind die Erfolgsaussichten.
Quelle:
www.web.de