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Alt 08.03.2007, 16:08
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Standard Schlank und krank

Schlank und krank
Zu Tode gehungert durch Magersucht: Orientierung an zweifelhaften Körperidealen


Neben Ess-Brech-Sucht ist Magersucht die zweithäufigste Form von krankhaftem Streben nach Schlankheit. Anorexia Nervosia – medizinische Bezeichnung – ist eine ernst zu nehmende Krankheit, neun von zehn Betroffene hungern sich buchstäblich in den Tod. Mangelndes Selbstbewusstsein, übertriebener Kontrolldrang und andere Probleme führen dazu, dass sich (meist) junge Frauen als Maß aller Dinge einen extrem dürren Körper wünschen, um so vermeintlich alle Probleme lösen zu können. Doch warum soll ein solch schwacher, zittriger, dünner Körper überhaupt erstrebenswert sein?

Genetisch bevorzugt – weil dünn?
Wiener Models Chefin Andrea Weidler möchte in ihrer Agentur jedenfalls keine kranken Mädchen, da ein Model gesund, vital und lebensfroh sein muss. Sie ist aber dennoch der Meinung, dass Kleidung auf einem großen, schlanken Mädchen besser ausschaut und daher nehme sie eben nur jene, die „genetisch bevorzugt“ seien, da sie eben von Natur aus so dünn sind. Die Bezeichnung „genetisch bevorzugt“ ist allerdings bei genauerer Betrachtung nicht haltbar: Denn Untergewichtige haben – genauso wie Übergewichtige – eine niedrigere Lebenserwartung als Menschen, die laut BMI (Body-Maß-Index) im Normalbereich liegen.

„Weiblichkeit besteht aus Rundungen“

Die 24-jährige Designerin Bawi wünscht sich strahlende Menschen, die ihre Mode am Laufsteg präsentieren: Ob diese nun, wie ihre Models, Kleidergröße 34 bis 40 haben, ist für Bawi unwesentlich: „Ich habe die Grundeinstellung: Schönheit kommt von innen. Das merkt man auch extrem. Wenn ein Mensch mit seinem Wesen und seiner Umwelt zufrieden ist, dann entsteht Schönheit.“

Für ihre Modenschau kommenden Donnerstag im Wiener Fluc engagiert Bawi Frauen aus dem Freundeskreis „mit Ausstrahlung, da das wichtiger ist als Top-Maße“. Das, so meint die Inhaberin des Modelabels „Anzüglich“, soll sich auch nicht ändern, wenn sich der große kommerzielle Erfolg einstellt, denn „dieser hauchdünne Typ passt gar nicht zu meiner femininen Mode, denn Weiblichkeit besteht aus Rundungen. Was jetzt nicht heißt, dass ich dünne Frauen diskriminieren würde. Meine Models sollen ein bunter Mix sein, so wie eben auch mein Publikum.“

Einen Fetzen über dürren Körper hängen
Auf die Frage, warum die meisten Designer überhaupt extrem dünne Frauen wählen, meint sie: „Es ist einfacher, man kann einen Fetzen und einen Streifen um das Model wickeln und es schaut gut aus. Wenn eine Figur aber Rundungen hat, muss in der Fertigung mehr aufgepasst werden, die Schneiderkunst ist hier mehr gefordert. Ich habe in einer Trachtenschneiderei gelernt und dort einen sehr guten Zugang für die unterschiedlichsten Figuren und Altersklassen bekommen.“

Schönheit ist also subjektiv empfunden – aber es gibt eben doch gesellschaftlich oder medial hochstilisierte Ideale, die eben oft eine auffallend dünne Figur haben – erreichbar für viele Menschen überhaupt erst durch eine Essstörung. In diesem Punkt haben die beiden Damen aus der Modebranche eine ähnliche Meinung: Es sollte ein Umdenken stattfinden, Weidler fände es Ziel führend, wenn Medien mehr ein gesundes Körperbild propagieren, denn sie, als Geschäftsfrau, richte sich natürlich immer nach Angebot und Nachfrage.

Mehr Selbstbewusstsein und Reflexion
Weidler wünscht sich neben mehr Selbstbewusstsein, das schon durch das Elternhaus transportiert werden soll, auch Aufklärung über Indikatoren, die Magersucht definieren. Auch Bawi’s Wunsch ist vor allem mehr Reflexion darüber, warum diese Ideale existieren. Ihrer Meinung nach ist es „tragisch, wenn man seine Energie so auf den Körper konzentriert, weil es darum ja nicht geht. Denn es geht mehr um geistige Entwicklung und nicht darum, wie mein Körper irgendwo hin entwickelt werden soll.“ Das Problem bei Essstörungen sieht die Jung-Designerin auch darin, dass „das Pferd von hinten aufgezäumt wird, was der falsche Weg ist, denn eigentlich bekommt jeder durch geistige Entwicklung, Selbstliebe und Wohlbefinden ganz automatisch das individuelle Traum-Maß und das ist dann bei jedem verschieden.“ Denn wenn man glücklich ist, so meint sie, wird man das auch ausstrahlen, egal ob zwei Kilo mehr auf den Rippen sitzen oder nicht.

Eine unglaubliche Traumwelt
Auf die Frage, ob die Jung-Designerin es vom ethischen Standpunkt her für vertretbar hält, dass in der Werbung das Bild der besonders dünnen Frauen permanent transportiert wird, meint sie: „Eigentlich ist es unglaublich: Es wird eine Traumwelt aufgebaut.“ Darauf angesprochen, dass laut einer Studie das Selbstwertgefühl von Frauen nach dem Blättern in Lifestyle-Magazinen rapide nach unten sinkt, meint Bawi, dass sie sich das gut vorstellen könne, aber: „mein Selbstwertgefühl ist danach gesteigert, weil ich das alles so lächerlich finde, dass ich es kaum aushalte. Obwohl ich selbst Modedesignerin bin, möchte ich mit dieser ganzen Maschinerie nichts zu tun haben.“

Folgenschwere Orientierung am Magerideal

Tatsache ist jedenfalls, dass gerade junge Menschen oft nicht diese Einstellung vertreten und sich an den (meist retouchierten) Models, Stars und Sternchen in Hochglanz-Magazinen optisch orientieren. Das hat fatale Folgen für das psychische Wohlbefinden und eben im Extremfall auch massive Auswirkungen auf die Gesundheit. Magersucht wirkt sich empfindlich auf den Hormonhaushalt (Ausbleiben der Menstruation, Potenzprobleme), Wachstum, Knochendichte und Zähne, das vegetative Nervensystem (lebenserhaltende Vitalfunktionen wie Herzschlag) sowie die Blutbildung aus. Neben der hohen Sterberate zieht Anorexia Nervosia – selbst nach Ausheilung – häufig chronische Krankheiten (Schädigung der Zähne, Nierenschäden, Osteoporose et cetera) nach sich.

Was Magersucht i(s)st

Anorexia Nervosia ist von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durch den ICD (International Classification of Diseases and Related Health Problems) international einheitlich klassifiziert, um Todesursachen zuordnen zu können. So zeichnet sich diese Körperschemastörung dadurch aus, dass die Angst besteht, dick zu werden und sich als eine übergeordnete, tief verwurzelte Idee manifestiert. Von Anorexia Nervosia im medizinischen Sinne wird gesprochen, wenn das Körpergewicht unter einem BMI von 17,5 liegt und der Gewichtsverlust durch verschiedene Schritte selbst herbeigeführt wird. Diese Maßnahmen sind klassischerweise: mangelnde Nahrungsaufnahme, selbst herbei geführtes Erbrechen, selbst herbei geführtes Abführen, übertriebene körperliche Aktivität und Gebrauch von Appetitzüglern oder Entwässerungsmitteln.

Quelle : www.chilli.cc
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