Von der Waage kontrolliert
VON ANNE REMY
(RP) Die Hochglanzbilder von Models und Stars nehmen sich viele Jugendliche zum Körper-Vorbild. Für die damals 15-Jährige Ina hatte das fatale Folgen: Sie erkrankte an Magersucht.
Kreis Kleve Wer denkt, dass nur Prominente an
Magersucht erkranken, der irrt sich gewaltig. In der heutigen Gesellschaft, wird immer häufiger mit
perfekten Körpern geworben.
Modeprospekte sind gefüllt mit
retuschierten Astralkörpern.
Schön und
schlank sein ist eben modern. Ina Sommer (Name geändert) aus Kalkar
erkrankte 2002 im Alter von 15 Jahren an
Magersucht.
Wie eine Droge
Damals brachte Ina bei einer
Größe von 177
Zentimetern ein
Gewicht von 86
Kilo auf die
Waage. Sie war unzufrieden mit ihrer
Figur und hatte gleichzeitig ein stark mangelndes
Selbstwertgefühl. „Ich habe mich sehr von anderen beeinflussen lassen.“, erzählt sie heute. Immer wieder wollte sie
abnehmen. Ohne Erfolg. Und plötzlich klappte es doch. Ina verzichtete auf Süßigkeiten, trieb Sport und verlor so innerhalb von acht Wochen fünf
Kilo. „Zuerst habe ich mein
Essen kontrolliert, später aber kontrollierte mein
Essen mich.“, berichtet die heute 18-jährige.
Fortan empfand die Perfektionistin jeden
Gewichtsverlust wie eine
Droge. Sie brauchte schnellstmöglich mehr davon. Pausenlos dachte sie ans
Hungern. Ein
mageres Schnitzel tupfte sie sorgfältig mit einem Küchentuch ab, um so
Fett zu vermeiden. Ihre
dünne Schnitte Vollkornbrot belegte sie sich ausschließlich mit Gurken und Tomaten, Gemüse, das kaum Kalorien enthält. Mittlerweile kennt sie den exakten
Kalorienwert verschiedenster
Nahrungsmittel.
Krankhaft reduzierte Ina täglich ihr
Essen und empfand auch kaum noch ein
Hungergefühl. Stets auf der Suche nach Anerkennung und Lob wollte sie ihren Mitmenschen beweisen, wie schnell sie
abnehmen kann.
Psychologische Behandlung
Im Juli 2003 erreicht Ina mit mittlerweile 16 Jahren den Tiefpunkt ihrer
Krankheit. Mit 43,3 Kilo hatte sie ihr
Gewicht schließlich halbiert. Innerhalb von vier Monaten nimmt sie 60
Pfund ab und sieht aus wie ein
Skelett. Auf ihrer
Haut wachsen lange Haare, ein Schutzsignal ihres
erkrankten Körpers. Zu diesem Zeitpunkt trägt Ina wieder
Kindergröße 164. „Als ich insgesamt knapp 90
Pfund abgenommen hatte, haben mich meine Eltern zu einer
psychologischen Behandlung gezwungen. Dafür bin ich ihnen heute sehr dankbar.“, erzählt die Abiturientin. „Zuerst habe ich mich sehr stark gegen diese Behandlung gewehrt. Ich konnte und wollte nicht einsehen, dass ich
erkrankt war. Aber nach anfänglichen Schwierigkeiten fühlte ich mich bei meiner
Psychologin recht wohl. Die Gespräche taten gut“, fügt sie hinzu. Ina lernte, mit ihrer Krankheit umzugehen. Langsam nahm sie an
Gewicht zu, so dass sie im Dezember 2003 immerhin wieder 50 Kilo auf die Waage brachte. Mittlerweile hat Ina ihr
Normalgewicht wieder erreicht und ist sehr erfreut, dass sie keine
körperlichen Schäden zurückbehalten hat, was für
Betroffene eher ein seltener Fall ist.
Quelle :
www.rp-online.de