Ein Netzwerk hilft den Magersüchtigen aus der Isolation
OSTALBKREIS (ug) Das Netzwerk
Essstörungen Ostalbkreis (NEO) und die AOK sind seit gestern Partner. Gemeinsames Ziel ist, die
Behandlung von
Magersüchtigen und an
Bulimie Erkrankten besser zu vernetzen. 20
Psychologen, Ärzte und sonstige
Therapeuten bilden eine Versorgungskette.
"Im Ostalbkreis leben rund 10 000 Betroffene", schätzt der Suchtbeauftragte des Ostalbkreises, Berthold Weiß. Dr. Askan Hendrischke, Chefarzt der
Psychosomatik am Ostalb-Klinikum, geht davon aus, dass vier bis fünf Prozent der Bevölkerung
magersüchtig oder an
Bulimie erkrankt sind. Die Dunkelziffer jedenfalls erscheint hoch. "Die Betroffenen kapseln sich eher ab", sagt Dr. Christoph Hermann. Der stellvertretende Vorsitzende des Vorstands der AOK Baden-Württemberg betont, dass vor allem Mädchen und Frauen bis 30 unter dieser
Krankheit leiden. Das Problem sei, dass eine
Behandlung - wenn überhaupt - oftmals sehr spät einsetze.
Vor gut fünf Jahren wurde das Netzwerk gegründet, das seit Montag in einem Verein organisiert ist. Mitarbeiter der Beratungsstellen der Caritas in Aalen und Schwäbisch Gmünd, Haus- und Nervenärzte,
Psychotherapeuten, die
Klinik für Psychosomatik in Aalen, die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Ellwangen, die Psychiatrischen Tageskliniken in Aalen und Gmünd und der
Suchtbeauftragte des Ostalbkreises engagieren sich in diesem Verbund. Der Vorsitzende von NEO, der Gmünder Arzt Dr. Ullrich Brickwedde, sprach von einem professionellen Angebot, das sich mit dem von
Spezialkliniken messen könne.
Die AOK fördert dieses Konzept, das landesweit einmalig ist und um das, so Weiß, Experten andernorts den Ostalbkreis beneiden. Für die behandelnden Ärzte und
Psychologen macht die Krankenkasse zusätzlich Geld locker. Dennoch soll es für die AOK unterm Strich günstiger werden. Hermann rechnet mit einer Kostenersparnis von über 50 Prozent der bisherigen Aufwendungen, die pro Patient und Behandlung bei bis zu 20F000 Euro im Jahr liegen können. Weniger
Klinik und dafür mehr ambulant und besser vernetzt: So lässt sich das Vorhaben fassen.
Die Krankenkasse selbst will die
Netzwerk-Therapie mit eigenen Angeboten ergänzen. Der Geschäftsführer der AOK Ostalb, Till H. Klein, nannte die
Ernährungsberatung, das Vermitteln von
Selbsthilfeangeboten und die
Betreuung durch den AOK-Sozialdienst.
Der Vertrag sieht vor, das
Behandlungskonzept stufenweise umzusetzen. Zunächst können Menschen, bei denen der Arzt
Magersucht oder
Bulimie (Ess-Brech-Sucht) diagnostiziert hat, an dem Programm teilnehmen. Sie müssen sich bei einem Arzt ihres Vertrauens einschreiben. Dies kann ein Hausarzt, Facharzt oder
Psychotherapeut sein, der dem Netzwerk angehört. "Wir wollen mit dieser Vereinbarung die Chance nutzen, einen Gesamtbehandlungsplan umzusetzen", sagte Dr. Martin von Wachter. Wenn sich dieses Konzept bewährt, wolle man in einem weiteren Schritt die
Behandlung von
Fettsucht in das Programm aufnehmen, betont Hendrischke.
Quelle :
www.szon.de