EssProbleme | Meine Essstörung und ich...  
 
Zurück   EssProbleme | Meine Essstörung und ich... > Magersucht (Anorexia-Nervosa) > Magersucht-Forum (allgemeiner Bereich)

Ankündigung
EssProbleme.com ist ab sofort in einer neuen, überarbeiteten Version (2.1) verfügbar und bringt viele praktische Features! Ab sofort haben alle Benutzerinnen die Möglichkeit eigene Fotoalben anzulegen. Zudem können Freundschaften zwischen Benutzern geschossen werden und vieles mehr. Weitere Infos zu den Neuerungen gibt es hier

Link-Anzeigen:

Unsere Sponsoren:
Augenlaserzentrum | Krankenversicherung | Trinknahrung

Antwort
 
LinkBack Themen-Optionen Ansicht
  #1 (Permalink)  
Alt 27.04.2007, 06:52
Benutzerbild von berater
Administrator
AdministratorIn
 
Registriert seit: 18.11.2006
Ort: Wien
Beiträge: 869
Standard Von der Magersucht fast verzehrt

Von der Magersucht fast verzehrt
In Deutschland leiden nach Schätzungen etwa 2,8 Millionen Mädchen an Ess-Störungen. Ein erschreckender Anteil hungert sich zu Tode.


Von Isolde stöcker-Gietl, MZ

NEUTRAUBLING. Salat ohne Soße, einen Apfel und vielleicht noch einen Light-Joghurt, mehr gönnte sich Sabine Schicker selten am Tag. Manchmal sie auch tagelang keinen einzigen Bissen. „Wenn mein Magen knurrte, hatte ich ein Glücksgefühl im Bauch“, erzählt die heute 22-Jährige aus Neutraubling (Lkr. Regensburg). Von ihrem 15. Lebensjahr an hungerte sie sich 50 Kilo von ihrem Körper, bis sie dem Tod näher war, als dem Leben. Sie wog nur noch 29 Kilogramm, fand aber die Kraft, die Anorexie, die so genannte Magersucht, zu besiegen.

Eine Diät macht fast jedes Mädchen in der Pubertät. In einem Alter, wo Äußerlichkeiten einen hohen Stellenwert haben, wollen die heranwachsenden Frauen ihren Schönheitsidealen entsprechen. Sie träumen von einer Karriere in Heidi Klums TV-Modelshow oder von einer Entdeckung als Popstar. Doch der Schönheitswahn hat besorgniserregende Ausmaße angenommen. Schätzungen zufolge leiden in Deutschland etwa 2,8 Millionen Mädchen und junge Frauen an Ess-Störungen wie Magersucht und Ess-Brechsucht (Bulimie). Tendenz stark steigend.

Auch bei Sabine Schicker begann der Teufelskreis mit der Unzufriedenheit über ihr Äußeres und der Suche nach Anerkennung in der Familie. „Ich war ziemlich dick und fühlte mich nicht wohl in meiner Haut“, erzählt sie im Gespräch mit der MZ. Das 1,70Meter große Mädchen wollte sich auf 55 Kilo fasten und damit sich und ihrer Umwelt ihren starken Willen beweisen. Doch die ersten Diätversuche scheiterten.

Da aß Sabine nur noch winzige Portionen, oft auch gar nichts. „In nur wenigen Wochen hatte sie die 55 Kilo erreicht“, erinnert sich Sabines Mutter Ingrid Schicker. Sabine war sehr schlank und noch freute sich die Familie, dass sie ihr Ziel erreicht hatte.

Doch der Teenaager hatte Gefallen an der Macht über den eigenen Körper gefunden.
Die früher so unternehmungslustige Gymnasiastin kapselte sich von ihren Freunden und der Familie ab. Die Waage wurde zum wichtigsten Verbündeten. „Ich lebte in einer Scheinwelt, nahm mein Umfeld nur noch wie durch eine Nebelwand wahr“, erzählt sie. Ihre Mutter versuchte, ihr zu helfen. Sie wusste, wie gefährlich der Teufelskreis war, denn auch sie litt in ihrer Jugend unter Magersucht. Ihr zuliebe begann Sabine eine Therapie. Zunächst ambulant. „Den Therapeuten trickste sie aus, wo sie konnte“, erinnert sich Ingrid Schicker. Sie aß nur vor den Treffen, den Rest der Woche hungerte sie. Ihr Gewicht war auf 41 Kilo gesunken.

Die hilflosen Eltern sahen im Februar 2001 keinen anderen Ausweg mehr als die Einweisung in die Kinder- und Jugendpsychiatrie am Bezirksklinikum Regensburg. Obwohl Ärzte und Therapeuten dort mit Sabine täglich arbeiteten, bekam sie die psychische Störung nicht in den Griff. Für die 16-Jährige war die Kontrolle über ihren Körper zum Lebensinhalt geworden. Der Leiter der Kinder- und Jugendspychiatrie, Dr. Martin Linder, berichtet, dass etwa 30 Prozent der Betroffenen trotz therapeutischer Maßnahmen eine chronische Ess-Störung entwickeln. Nicht selten mit tödlichem Ausgang.

Auch Sabine fand einen neuen Weg, um trotz Therapie abzunehmen. Sie verfiel dem Fitnesswahn. Später erzählte sie ihrer Mutter einmal, dass sie in der Klinik stundenlang im Kreis gelaufen sei und täglich hunderte Kniebeugen absolviert hatte. Nach drei Monaten verließ sie die psychiatrische Einrichtung ohne Gewichtszunahme. Ingrid Schicker wusste nicht mehr, wie es weitergehen sollte. Da kam ihr der Gedanke, eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Essgestörten am Regensburger Frauengesundheitszentrum zu gründen. Bis heute leitet sie den Gesprächskreis, der sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch trifft. „Es ist schön, wenn man über diee Probleme reden kann.“ Denn oft reagiere das Umfeld mit Unverständnis. „Dann soll sie halt mehr essen“ – diesen Satz hat Ingrid Schicker oft gehört.
Der Gesprächskreis gab der Mutter auch Halt, als sich der Zustand ihrer Tochter zusehens verschlechterte. Trotz mehrere Krankenhausaufenthalte und einer Überweisung in eine Klinik für Essgestörte, verlor das Mädchen weiter Gewicht. Als Sabine nur noch 29 Kilo wog, sagte sie ihrer Mutter ins Gesicht, dass es ihr egal sei, ob sie lebe oder sterbe.

Heute begreift Sabine diesen Tiefpunkt als ihre einzige Chance. „Ich musste so weit runterkommen, um gesund zu werden.“ Denn nie wieder, so schwörte sie sich damals, wollte sie auf einer Intensivstation künstlich ernährt werden. Als sie in die Klinik für Essgestörte zurückkehrte, begann sie unter therapeutischer Anleitung das Essen neu zu lernen.

Sabine schaffte es. Heute wiegt sie etwa 60 Kilo. Essen sei für sie wieder eine Selbstverständlichkeit geworden, sagt sie. Dieses positive Gefühl für sich und den eigenen Körper möchte sie nun auch anderen Betroffenen zurückgeben. Nach dem Studium der Psychologie will Sabine Schicker als Therapeutin für essgestörte Menschen arbeiten. „Ich will mithelfen, damit viele Betroffene den Weg aus diesem Teufelskreis finden.“

Am kommenden Montag, 30. April, findet um 20 Uhr im Frauengesundheitszentrum, Untere Bachgasse 12/14 in Regensburg ein Vortrag mit Ingrid Schicker statt. Thema: Die Magersucht meiner Tochter. Anmeldung unter (0941) 81644

Quelle : www.mittelbayerische.de
__________________
Christoph | Administrator
_______________________
http://www.essprobleme.com

Impressum / Pflichtangaben
Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.
Trackbacks sind an
PingBacks sind an
RefBacks sind an


Ähnliche Themen
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Fast Food Nation Europa berater Adipositas-Forum (allgemeiner Bereich) 0 13.10.2007 17:33
Fast 40 Mio Deutsche zu dick berater Adipositas-Forum (allgemeiner Bereich) 0 06.05.2007 11:21



Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 19:43 Uhr.


Powered by vBulletin® Version 3.7.3 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2008, Jelsoft Enterprises Ltd.
Search Engine Friendly URLs by vBSEO 3.1.0
(c) essprobleme.com ist ein Service von MedUni

Textlinkwerbung: Arzneimittel | Hautausschlag | Augenlaser | Warzen

Powered by vBCMS® 1.2.4 ©2002 - 2008 vbdesigns.de