Krankheitsbild: Flucht in die Ess-Störung
Magersucht kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Dabei spielen die persönlichen Erlebnisse der
Erkrankten eine Schlüsselrolle. Starker Leistungsdruck und, wie in Annas Fall, ein einengendes Elternhaus können die
Ursache sein. Aber auch
sexueller Missbrauch und andere
traumatische Erfahrungen führen möglicherweise zur
Flucht in die Ess-Störung. Fast immer beginnt das
krankhafte Hungern in der Pubertät. „
Magersucht ist häufig eine Rebellion nach innen“, so Manfred Fichter, Spezialist für
Essstörungen an der Klinik Roseneck.
Der gesellschaftliche Druck, den Vorbildern aus Hollywood-Filmen und Hochglanz-Titeln entsprechen zu müssen, kann die
Krankheit auslösen. „Als ‚Einstiegsdroge’ dient hierbei in vielen Fällen eine
Diät“, sagt Sylvia Baeck, Geschäftsführerin des Beratungszentrums bei
Ess-Störungen Dick & Dünn e.V. in Berlin.
Magersüchtige und Gefährdete beschäftigen sich zwanghaft mit
Kalorien. Sie sind unzufrieden mit ihrem Spiegelbild und fühlen sich auch dann noch zu „
fett", wenn selbst weite Kleidung ihre
abgemagerten Arme und Beine nicht mehr kaschieren kann. Der „gierige“
Körper wird zum Feind, den der alles kontrollierende Kopf in Schach halten muss.
Dass außerdem die
genetische Veranlagung eine Rolle in der Entwicklung dieser
psychosomatischen Erkrankung spielt, vermuten zwar einige Wissenschaftler, Beweise dafür gibt es aber noch nicht.
Obwohl die
Betroffenen gern für ihre Familien kochen, nehmen sie selbst nicht an den gemeinsamen
Mahlzeiten teil oder täuschen das Essen nur vor. Dabei entwickeln sie ausgefeilte Strategien: Anna suchte oft bewusst Streit, um dann beleidigt den Tisch zu verlassen, natürlich ohne einen Bissen im
Magen. So isolieren sich
Kranke immer mehr von
Familie und Freunden und ziehen sich in eine eigene Welt zurück.
Triumph über den Hunger
Viele
Magersüchtige sind extrem perfektionistisch und ehrgeizig, weswegen sie trotz
körperlicher Schwäche häufig Einser-Schüler sind. Auffällig oft kommen sie aus überbehüteten, nach außen sehr harmonischen Elternhäusern, in denen sie keine Chance hatten, eine eigene Identität zu entwickeln. „Der Triumph über ihr
Hungergefühl gibt ihnen das Gefühl, stark und unabhängig zu sein", erklärt Sylvia Baeck das zerstörerische Verhalten.
Die
körperlichen Veränderungen der Pubertät erzeugen bei vielen Mädchen Angst vor
Sexualität. Die Flucht in die
Magersucht verhindert weibliche Rundungen und hält die drohende Entwicklung zur Frau auf. Dabei spielt das Gefühl, nicht so werden zu wollen wie die eigene Mutter, eine große Rolle.
Quelle :
www.focus.de