Therapie: Wieder essen lernen
Das
Hungern hat seinen Grund: Es wird zum Ersatz für ungelöste Konflikte und verdrängt Gefühle wie
Wut, Angst, Überforderung und
Einsamkeit. Nur professionelle Hilfe im Rahmen einer
Psychotherapie kann den
Betroffenen helfen, die
Ursachen ihrer
Ess-Störung zu erkennen. Die Kosten dafür übernehmen die Krankenkassen. Ziel ist es, wieder ein Gefühl für
Hunger oder
Sättigung zu entwickeln, (wieder) zu spüren, wer man selber ist, seinen
Körper zu akzeptieren und ein neues
Ess-Verhalten zu erlernen.
Magersüchtige werden niemals zugeben, dass sie
krank sind. Gerade deswegen brauchen sie im fortgeschrittenen Stadium unbedingt eine ärztliche Betreuung. Denn die
körperlichen Folgeschäden sind gravierend: Der
Körper stellt sich schnell auf den
Mangelzustand ein und drosselt seinen
Stoffwechsel.
Puls, Blutdruck und
Körpertemperatur sinken ab,
Müdigkeit und
Frieren sind die Folge. Die
Betroffenen reagieren zunehmend
apathisch. Auch die
Hormone spielen verrückt, was sich in trockener
Haut, brüchigen
Haaren und besonders im Ausbleiben der
Menstruation zeigt. Nach langen Jahren kann die
Magersucht Osteoporose verursachen. Die extreme
Austrocknung schädigt die Nieren. Am schlimmsten aber sind die
Entgleisungen des Elektrolyt-Haushaltes.
Kaliummangel zum Beispiel kann bis zum Herzstillstand führen.
Aufbau eines normalen
Körperbilds
Um
Verhungern zu verhindern, ist manchmal ein stationärer
Klinikaufenthalt notwendig. Auf
Ess-Störungen spezialisierte Kliniken setzen unter anderem auf
Gruppentherapien. „Der Erfahrungsaustausch mit anderen
Betroffenen war mir ungeheuer wichtig“, sagt Anna heute. Gleichzeitig lernte sie, durch
Bewegungsübungen ein
normales Körperbild zu entwickeln und in Kochkursen zuzubereiten, was
gesund und lecker ist. „
Essen ist heute für mich kein Zwang mehr, sondern hat die gleiche Bedeutung wie für andere Menschen auch“, berichtet Anna.
Therapeutische Wohngruppen für
Magersüchtige vor Ort sind eine gute Alternative zum
Krankenhaus. „Die Mädchen bekommen intensive Hilfe und können trotzdem weiterhin zur Schule oder zur Arbeit gehen", beschreibt Andreas Schnebel,
Psychotherapeut bei der Münchner Beratungsstelle für
Ess-Störungen ANAD e.V. die Vorzüge seines
Wohn- und Therapiemodells „Pathways“.
Quelle :
www.focus.de