"Man merkt nicht, wann man aufhören muss"
22.04.2007
Die 16-jährige Larissa leidet an Magersucht, teilweise ausgelöst durch die Vorbildwirkung von Models. Larissa kämpft nun willensstark und mit Unterstützung darum, dieser Krankheit zu entkommen.
An alle Mädels da draußen: Liebt euch so wie ihr seid, akzeptiert euren Körper. Nützt jeden Tag und genießt! Man lässt sich so viel entgehen, wenn man verzichtet - auf Essen - auf Leben." Worte, geschrieben von einem Mädchen, das sich hier Larissa nennen möchte und noch vor kurzem einen lebensgefährlichen Weg eingeschlagen hatte. Die 16-Jährige aus dem Bezirk Bruck leidet an Anorexie, zu Deutsch Magersucht. "Es begann vergangenen Sommer. Ich wog damals 55 Kilogramm und wollte mich mit Obst und Gemüse gesünder ernähren, habe auf Süßigkeiten verzichtet", erzählt die Schülerin.
Plötzlich war da neben dem gesunden Aspekt der stetige Gewichtsverlust, und das spornte Larissa an. "Ich habe immer weniger gegessen", sagt sie. Anfangs habe sich die Mutter noch gefreut über die gesunde Ernährungsweise ihrer Tochter, bald ahnte sie jedoch, dass hier etwas nicht stimmt. Innerhalb weniger Monate hungerte sich Larissa auf 40 Kilogramm herunter. Larissa: "Das Schlimme ist, dass man selbst nicht merkt, wann man aufhören muss. Hätte meine Mutter nichts unternommen, hätte ich weitergemacht. Der
Wille zu hungern war irrsinnig stark."
Zwar gab es Tage, an denen Larissa bewusst war, dass ihr Gewicht zu niedrig ist. Aber die Angst, noch immer zu viel zu wiegen, hatte in ihren Gedanken die Überhand. "Meine Mutter ist mit mir zum Arzt gegangen. Durch mein Untergewicht war meine Pulsfrequenz bereits zu niedrig. Ich war im Alltag nicht mehr leistungsfähig, beispielsweise beim Stiegensteigen oder Turnen", erzählt sie.
Seit drei Monaten ist Larissa in Therapie, unter anderem auf der psychosomatischen Station des LKH Leoben. "Der ,Vertrag' zwischen den Ärzten, meiner Mutter und mir ist es, zuzunehmen. Ich habe jetzt 41,5 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,67 Meter. Zuzunehmen ist viel schwerer, denn ich habe auch jetzt noch teilweise ein schlechtes Gewissen, wenn ich gegessen habe. Was ganz wichtig ist: Es darf mich niemand zum Essen zwingen, ich muss es selber wollen."
Oft unterschätzt
Larissa weiß, dass sie die Krankheit noch nicht besiegt hat: "Das Gefährliche an dieser Krankheit ist, dass man sie total unterschätzt. Es war sehr schwer für mich, Hilfe anzunehmen. Es gibt auch heute noch einen Teil in mir, der glaubt, ich schaffe es alleine, aber das ist unmöglich. Ich bin mitten im Prozess, das einzusehen." Die Therapiegespräche, Familie und Freunde stärken sie dabei, Larissa weiß aber, dass nur sie selbst sich helfen kann. Warum sie in diese Krankheit geschlittert ist, ist ihr noch nicht ganz klar. "Das Schönheitsideal von Models hat sicher dazu beigetragen. Ich habe aber noch eine andere Ahnung, über die ich noch mit niemandem gesprochen habe", sagt die Vorzugsschülerin.
Die Entscheidung, wieder gesund zu werden und auf 50 Kilogramm zu kommen, hat Larissa längst getroffen. "Ich esse und genieße jetzt, worauf ich gerade Lust habe, auch Süßigkeiten. Ich will auf alle Fälle aus der Krankheit herauskommen", sagt die 16-Jährige überzeugt.
Und auf ihrer Botschaft an alle Mädchen steht: "Esst all das, worauf ihr Lust habt, schreit, singt, wenn ihr dazu Lust habt. Nur nicht aufhören zu leben, das ist das wichtigste."
Quelle:
Kleine Zeitung