Magersüchtige werden immer jünger
Negativer Effekt der Übergewichts-Diskussion
Die Zahl der magersüchtigen Kinder ist in den letzten Jahren angestiegen. Zudem werden die Betroffenen immer jünger: bereits unter Zehnjährige sind betroffen.
«Es gibt immer mehr jüngere
Patienten», bestätigt Erika Toman, Präsidentin des
Experten-Netzwerks Essstörungen Schweiz (ENES). Das zeigten Meldungen aus
stationären Einrichtungen für
Magersucht-Patienten, etwa dem Zürcher
Kinderspital oder der
Spezialstation des Zürcher
Stadtspitals Triemli.
Diäten schon im Kindergarten
Ganz allgemein stellt Toman fest: «
Schlankheit wird immer früher zu einem Thema. Immer jüngere Kinder beschäftigen sich mit dem
Körper und dem
Essen.» Es gebe bereits Kindergärtler oder Schulanfänger, die über eine
Diät nachdenken würden oder schon eine hinter sich hätten.
Beunruhigend an dieser Entwicklung ist nicht zuletzt, dass Experten auch die aktuelle Diskussion um
Übergewicht bei Kindern mitverantwortlich machen. «Dass sich Kinder so früh mit dem Thema beschäftigen, hängt auch damit zusammen, dass so viel informiert wird», ist Toman überzeugt.
Zu viel Nachdenken schadet für einmal
Die Vorstellung, durch vermehrte Information der Kinder ihr
Essverhalten zu verbessern, habe sich nicht bewahrheitet. Die Kinder wüssten zwar mehr darüber, was «gesund» sei, doch beeinflusse dieses Wissen ihr Handeln nicht in der erwünschten Richtung.
Eltern rät die Psychologin, das
Essen nicht zu stark zu thematisieren. Also nicht dauernd darüber zu reden, wie
ungesund Schokolade ist, sondern einfach weniger Schokolade aufzutischen. Denn, so Toman: «Die
Hungersättigung funktioniert eigentlich von Geburt an, genau wie das Bedürfnis nach Schlaf. Und übers Schlafen muss man auch nicht diskutieren, sondern ohne viele Worte einen Rahmen schaffen, der einen
gesunden Schlaf-Wach-Rhythmus ermöglicht.»
Hohe Sterberate bei Magersucht
Schätzungsweise 10'000 bis 50'000 Menschen leiden laut Experten in der Schweiz an einer
Essstörung wie
Magersucht,
Bulimie und
Fettsucht. An
Magersucht leiden in der westlichen Welt rund ein Prozent der 15- bis 35-jährigen Frauen. Bei den Männern beträgt der Anteil in derselben Altersgruppe 0,1 Prozent. Die
Mortalitätsrate ist hoch: fünf bis 20 Prozent der
Betroffenen sterben innerhalb von 20 Jahren nach
Erkrankungsbeginn, bei 20 bis 30 Prozent wird die
Anorexie chronisch.
Als
Diagnose ist
Bulimie erst seit 1980 bekannt. Inzwischen leiden daran in Europa und Nordamerika schätzungsweise zwei bis vier Prozent der Frauen zwischen 15 und 35 Jahren und 0,5 Prozent der Männer im selben Alter.
Quelle:
http://tagesschau.sf.tv