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Alt 17.03.2007, 03:29   #1 (Permalink)
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Benutzerbild von christoph
 
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Standard "Ich bin glücklich und will nicht mehr hungern"

"Ich bin glücklich und will nicht mehr hungern"
Sabrina litt an Magersucht. Dann traf sie ihre große Liebe. Im Pinnwand-Gespräch macht sie ihrem Mann eine Liebeserklärung

Von Susanne Fischer-Bolz

LÜDENSCHEID · "Das ist er. Der oder keiner." Liebe auf den ersten Blick - die gibt es wirklich. Sabrina hat sie erlebt. Und sie hat ihre große Liebe fast vom Fleck weg geheiratet. Doch was sich hier nach romantischen Stunden, nach heiler Welt und Schmetterlingen im Bauch anhört, war in Wirklichkeit auch eine sehr schwierige, mit großem Kummer verbundene Zeit. Die große Liebe wurde von Anfang an auf eine harte Probe gestellt. Denn die Lüdenscheiderin litt an Magersucht, später dann an Bulimie. Im Pinnwand-Gespräch bittet die junge Frau um Anonymität. Sie möchte ihre Geschichte erzählen, ihrem Mann diese öffentliche Liebeserklärung machen, aber aufgrund ihrer neuen Arbeitsstelle doch unerkannt bleiben. Und so heißt Sabrina nicht wirklich Sabrina.

Schon als Kind war Sabrina immer stabil - ein bisschen korpulenter als die anderen. "Aber eigentlich bin ich damit zurecht gekommen." Bis zu dem Zeitpunkt, als ihre Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau begann. "Da habe ich dann versucht, mal auf ein paar Sachen beim Essen zu verzichten." Warum und wieso, weiß Sabrina eigentlich gar nicht mehr so genau. Sie hatte im Urlaub einen älteren Mann kennen gelernt. "Ich fand ihn einfach toll. Er sagte mir, was ich zu tun und zu lassen hatte. Doch er hat nie gesagt, dass er mich zu dick findet. Ich wollte mir selbst etwas beweisen." Von 80 Kilo - bei einer Größe von 1,68 Meter - hungerte sich Sabrina innerhalb eines Jahres auf 54 Kilo runter. "Die Hosen rutschten, aber ich machte mir keine Gedanken. Ich hatte keine Oberweite mehr und die Knochen standen raus. Aber die Leute, die ich traf, fanden es toll. Es fielen Sätze wie ‚Du hast ja toll abgenommen.‘, oder: ‚Das sieht ja super aus.‘" Auf die Idee, dass sie an Magersucht leiden könnte, kam Sabrina nicht. "So was kann mir doch nicht passieren." Die positive Resonanz von außen war für sie ein schönes Gefühl. Doch Sabrina wurde dünner und dünner. Als der Punkt kam und sie anfing, über sich selbst nachzudenken, trennte sie sich von ihrem Freund. "Irgendwann kaufte ich mir ein Buch über Magersucht. Aber da wurde es noch schlimmer, ich habe versucht, einige Sachen aus dem Buch auszuprobieren." Längst hatte auch Sabrinas Mutter größte Sorgen, "doch sie war irgendwie machtlos".

Als sie dem Mann ihrer Träume bei einer Gartenparty begegnete, war Sabrina auf der Talsohle angelangt und von der Magersucht in die Bulimie gerutscht. "Ich habe gegessen und es später wieder erbrochen." Ihrem neuen Freund machte Sabrina nichts vor, schenkte ihm schnell reinen Wein ein - kam aber aus dem alltäglichen Drama nicht heraus. "Teilweise habe ich dann heimlich erbrochen. Aber er hat es gemerkt und ich habe gesehen, wie sehr er darunter gelitten hat. Das wollte ich nicht. Ich hatte Angst, ihn zu verlieren."

Doch ihr Freund und heutiger Mann wollte Sabrina nicht verlassen - er wollte ihr helfen. "Er hat mir immer wieder gesagt, dass er mich nimmt, wie ich bin, ob ich 20 Kilo zuviel habe oder nicht. Hauptsache, ich mache mein Leben nicht kaputt." Es war Wärme und die Zuneigung, die Sabrina die Kraft gaben, die sie brauchte. Die beiden verlobten sich und heirateten an ihrem Jahrestag.

Ende gut, alles gut? Raus aus der Krankheit ohne Therapie oder ärztliche Hilfe? "Ich war in einer Gruppe bei der Caritas. Den Rest habe ich nur mit Hilfe meines Mannes geschafft. Unser Kennenlernen war meine Rettung." Sabrina ist jetzt 22 Jahre alt und wiegt 73 Kilo. "Ich könnte ein bisschen mehr Sport machen. Aber ich bin gesund und glücklich und will nicht mehr hungern." Viele Leute werfen ihr vor, viel zu jung geheiratet zu haben. "Aber ich kann mir ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen und bin froh, dass wir uns gefunden haben. Dass ich heute gesund bin, habe ich ihm zu verdanken."

Quelle : www.come-on.de
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