Durchschnittsalter von Essgestörten sinkt um drei Jahre: Alarmierender Trend setzt sich fort
Das Durchschnittsalter von Essgestörten sinkt um drei Jahre. Jede siebte Jugendliche trägt das Risiko einer Magersucht Essstörungen nehmen seit zwanzig Jahren nicht nur beständig zu, die Betroffenen werden auch immer jünger. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Martin-Luther- Universität Halle. Mehr als 6 Prozent der untersuchten 15- bis 16-jährigen Schülerinnen und Schüler weisen bulimische Verhaltens- und Denkweisen auf. Damit sinkt das Durchschnittsalter der Ersterkrankungen um bis zu drei Jahre.
„Die Studienergebnisse sind alarmierend, auch hinsichtlich der Zunahme anorektischer Essstörungen. Bisher ging man davon aus, dass etwa ein Prozent der heranwachsenden Mädchen und jungen Frauen unter Magersucht leiden. Die Schülerinnen und jungen Frauen weisen nun je nach Studie 1 schon eine Häufigkeit von 2 bis 3 Prozent auf“, erklärt Birgit Mauler, Leitende Psychologin der auf Essstörungen spezialisierten Christoph-Dornier-Klinik in Münster. Jede siebte Jugendliche trägt nach Aussage von Experten ein Magersucht- Risiko. Auch Jungen sind zunehmend betroffen.
Zu den Risikofaktoren für die Entwicklung von Essstörungen zählen ein ausgeprägtes Schlankheitsideal, ein instabiles Selbstwertgefühl, Diäten sowie die Angst vor Dicksein - eine Art aus dem Ruder gelaufenes Schlankheitsideal. Schon der Gedanke an bestimmte Lebensmittel oder auch kritische Stellen der eigenen Figur lösen Panik aus. Damit die Angst erst gar nicht auftritt, wird immer weniger gegessen, erbrochen, Sport getrieben oder Abführmittel geschluckt.
Familiäre Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle, auch wenn es die typische Essstörungs-Familie nicht gibt. Auffällig ist, dass viele magersüchtige und bulimische Patienten aus der Mittel- und Oberschicht kommen.
Essstörungen können auch Folge von größeren Veränderungen des vertrauten Umfelds sein, ausgelöst durch Schulwechsel, längeren Auslandsaufenthalt oder Studienbeginn, Scheidung der Eltern oder den Verlust nahe stehender Personen. Hinzu kommen psychische Auffälligkeiten sowie biologische und genetische Faktoren.
„Essstörungen werden nach wie vor zu spät behandelt. Zum einen, weil sie von den Betroffenen häufig lange geheim gehalten werden, zum anderen, weil die Angst vor Stigmatisierung und die Weigerung der Betroffenen Eltern davon abhält, sich rechtzeitig Hilfe zu holen. Der Mangel an Therapieplätzen kommt erschwerend hinzu“, sagt Birgit Mauler. Sie appelliert vor allem an Eltern und Lehrer essgestörter Kinder und Jugendlicher, offen mit der Erkrankung umzugehen und sich frühzeitig an Beratungsstellen und Therapeuten zu wenden. Die Christoph-Dornier-Klinik bietet mittwochs von 17 bis 20 Uhr ein kostenloses Infotelefon zum Thema Essstörungen an. Zu erreichen sind die Experten unter 0251/ 48 10-100. Weitere Informationen und Literaturhinweise erhalten Interessierte auch unter
www.c-d-k.de.
Quelle :
www.gesundheitstrends.de