Abnehm-Tip: Obst nicht zusätzlich zum üblichen Essen, sondern anstatt
Kleiner Gewichtsverlust ist bei Adipositas bereits ein Erfolg und ein realistisches Ziel
BERLIN (gvg). Nicht von vornherein resignieren, aber auch keine unerreichbaren Ziele setzen, das sind die Grundregeln für den Umgang mit
adipösen Patienten in der Sprechstunde.
"Bei vielen
adipösen Patienten ist es ein echtes Erfolgskriterium, wenn es gelingt, das
Gewicht zu halten", sagte Dr. Ute Gola auf dem Pri-Med-Update in Berlin. Bei der für
Hausärzte konzipierten Fortbildungsreihe ist die "
Ärzte Zeitung" Medienpartner. Eine leichte
Gewichtsabnahme, verbunden mit einer Kontrolle der
metabolischen Risikofaktoren, seien reale Ziele, alles andere sei Vision, so die
Ernährungsexpertin.
Gola warnte vor allem vor scheinbar einfachen Verhaltensregeln wie der, sich
gesünder zu
ernähren. "Häufig
essen die Betroffenen dann die
gesunde Kost zusätzlich zu dem, was sie sonst
essen", so Gola. Das ist kontraproduktiv. Auch der Hinweis, mehr Obst zu
essen, sei bei
adipösen Menschen mit Vorsicht auszusprechen. Wer abends ein
Kilogramm äußerst energiereicher Weintrauben vor dem Fernseher ißt, tut seinem
Körpergewicht damit trotz der vielen
Vitamine keinen Gefallen.
Gola plädierte deswegen für einen systematischen Ansatz, bei dem die
Betroffenen regelmäßig in die Sprechstunde kommen, um Erfolge oder Probleme zu besprechen. So hätten in einer kürzlich publizierten Studie mit 314 Probanden, die zuvor jeweils 20
Kilogramm Gewicht verloren hatten, jene am besten ihr Gewicht gehalten, die immer wieder ihren Betreuer konsultierten (NEJM 2006, 355, 1563).
Wichtig: Die
Patienten sollen auf regelmäßige
Mahlzeiten achten, auf
Zwischenmahlzeiten verzichten und ihre Gewohnheiten auch bei den
Getränken umstellen (Wasser statt Saft, wenig Alkohol). Gut handhabbar für die
Patienten sei es meist auch, wenn eine
Mahlzeit am Tag durch energetisch definierte Formulaprodukte ersetzt werde. Das kann auch diagnostisch wertvoll sein: "Wenn die
Abendmahlzeit durch ein Formulaprodukt mit 200
Kilokalorien ersetzt wird und der
Patient dann nicht abnimmt, dann haut irgendetwas nicht hin mit dem Lifestyle", so Gola.
Medikamente sollten erst dann erwogen werden, wenn ein systematisches Basisprogramm mit
Ernährungstherapie,
psychosozialer Betreuung und
körperlicher Mobilisierung zwölf Wochen lang ohne Erfolg bleibt.
Wenn es nach erfolgreicher
Gewichtsabnahme darum geht, das Erreichte zu erhalten, dann ist außer der Ernährung vor allem
Bewegung das A und O. 30 Minuten spazierengehen am Tag sei das mindeste: "Wer keinen Hund hat, muß sich einen denken", so Gola.
Dauerhafter Erfolg aber ist wohl nur denen vergönnt, die deutlich mehr dafür tun. "Stark
adipöse Menschen, die 15 bis 20
Kilogramm abgenommen haben und das
Gewicht halten können, wenden pro Tag im Mittel 80 Minuten mehr für
körperliche Aktivität auf als jene, die wieder an
Gewicht zulegen."
Quelle :
www.aerztezeitung.de