Therapie
Psychologische Unterstützung
Die Grundlage für eine erfolgreiche
Therapie der
Magersucht stellt zunächst die
Einsicht des Patienten dar. Ohne diese sind die Prognose äußert ungünstig und
Therapieerfolge eher unwahrscheinlich.
Ist eine
Bereitschaft zur Therapie vorhanden, ist das oberste Ziel die
Normalisierung des Körpergewichts, wobei eine
verhaltenstherapeutische Unterstützung notwendig ist. Ein weiterer Bestandteil der
psychologischen Betreuung stellt die
Therapie der verzerrten
Körperwahrnehmung dar. Die Stärkung des
Selbstwertgefühls ist ebenfalls von Bedeutung. Der Kontakt mit anderen Betroffenen und ehemaligen Anorektikern im Rahmen von
Gruppentherapien wirkt sich häufig besonders positiv aus.
Die Zusammenarbeit mit einem
Psychologen ist bei der
Therapie unerlässlich. Optimal ist eine stationäre Behandlung in einer entsprechenden Einrichtung.
Ernährungstherapie
Neben der psychologischen Betreuung spielt die richtige
Ernährung zur
Normalisierung des
Körpergewichts eine wichtige Rolle.
In schweren Fällen kann zunächst eine
künstliche Ernährung erforderlich sein. Wichtig ist anschließend eine langsame Steigerung der
Nahrungsaufnahme, um Unverträglichkeiten zu vermeiden. Dabei sollten am Anfang nur
Nahrungsmittel in leicht verwertbarer Form verabreicht werden. Aufgrund der
Schleimhautschädigungen und des
Lactasemangels (milchzuckerspaltendes Enzym) werden Milch und Milchprodukte anfangs häufig nicht vertragen.
Im Anschluss daran erfolgt eine schrittweise Annäherung an eine energiereiche Basiskost. Der
Energiebedarf wird dabei so veranschlagt, dass für jeweils 10 kg Untergewicht ein Zuschlag von 20% des normalen Tagesbedarfs empfohlen wird (ca. 2500-3000 kcal / Tag).
Die
Nahrung sollte auf mehrere
Mahlzeiten (ca. 6) am Tag verteilt werden und ist reich an Kohlenhydraten und Fetten. Letztere sollten vor allem in versteckter Form aufgenommen werden und reich an
ungesättigten Fettsäuren sein.
Der
Proteinbedarf entspricht dem einer
"normalen" Ernährung, liegt also bei ca. 15% der Gesamtenergieaufnahme. Die Kost sollte vitamin- und mineralstoffreich, ausgewogen und abwechslungsreich sein. Zu meiden sind jedoch
Lebensmittel, die
energiearm, voluminös oder blähend sind (siehe Abb.).
Weniger geeignete
Lebensmittel beim Kostaufbau
Hülsenfrüchte, Blattkohlsorten, Pilze
Fleisch-, Fisch- und Wurstwaren mit hohem Anteil an sichtbarem Fett
Mayonnaise, fettreiche Backwaren
Fettarme, proteinreiche Lebensmittel (z.B. Magermilchprodukte)
stark kohlensäurehaltige Getränke
Mit steigender
Energiezufuhr kann auch mit leichter
körperlicher Aktivität begonnen werden. Dies fördert sowohl das Herz-Kreislauf-System als auch das
Muskelwachstum.
Grundsätzlich sollten die Speisen schmackhaft und appetitlich zubereitet werden. Individuelle Bedürfnisse sollten dabei berücksichtigt werden. Auch geringe Mengen Alkohol zur Steigerung des Appetits sind erlaubt.
Bei bestehendem
Untergewicht ohne vorliegende
Essstörung kann direkt (d.h. ohne Aufbaukost) mit einer
energiereichen Kost begonnen werden. Eine Gewichtszunahme erreicht man generell durch eine
positive Energiebilanz, d.h. wenn man dem
Körper mehr
Energie zuführt als er verbraucht. Allerdings gibt es auch Fälle, bei denen eine
energiereiche Ernährung zu keiner
Gewichtszunahme führt (z.B. Schilddrüsenüberfunktion). Um das auszuschließen, sollten Sie sich an ihren
Arzt wenden.
Prinzipiell sollte sich auch diese
Ernährung an den Empfehlungen für eine ausgewogene
Ernährung orientieren. Allerdings kann hier auf
fettreichere Produkte zurückgegriffen werden.
Sonstige
medizinische Maßnahmen
Aufgrund der gravierenden Folgen der unzureichenden
Östrogenproduktion wird der gezielte Einsatz von
Östrogenen, Gestagenen und
Calcium im Rahmen der
Osteoporoseprophylaxe diskutiert.
Eine weitere
medikamentöse Therapie ist nicht erforderlich. Trotz der niedrigen Konzentration des
Schilddrüsenhormons T3 (
Trijodthyronin), ist eine
Therapie mit
Schilddrüsenhormonen nicht angezeigt. Eine Ausnahme stellt die
Behandlung mit
Antidepressiva dar, sofern eine begleitende
depressive Erkrankung vorliegt.
Quelle :
www.ernaehrung.de